Hier geht es um die Begrünung frei stehender, senkrechte Bauteile, die oben keine Auflast haben. Konkret sind das Masten, Pfähle und Laternen im Straßenraum, aber auch Schornsteine usw.. (Die Begrünung von in Bauwerken integrierten Stützen wird andernorts behandelt.). In manchen Fällen wird es nötig sein, Wind- und Gewichtslasten infolge einer Begrünung statisch zu berücksichtigen.
Für die Mastbegrünung mit Selbstklimmern ist besonders der Zierwein “Veitchii” (Parthenocissus tricuspidata ‘Veitchii’) geeignet, allgemein bekannt als “Wilder Wein”, auch die Variante “Veitchii Dunkel”. Beide kommen selbst bei schlechtem, verdichteten Boden voran und haben einen weiteren Vorteil: Oben angekommen, erklettern ihre Triebe keine dünnen, waagerechten Stränge wie Spann- und Elektrizitätsleitungen. Die Begrünung bleibt somit auf den Mast begrenzt.
Handelt es sich um Laternen, sieht die Sache etwas anders aus: Von Fall zu Fall werden die Laternenkörper dann doch bewachsen und von grünen Trieben eingehüllt. Das passiert umso seltener, je dünner der “Hals” der Laterne ist. Des Weiteren verzögern Klettersperren den vollständigen Bewuchs, so z. B. Abdeck-Kappen am oberen Ende eines Betonmastes, weil sie ein eng anliegendes, senkrechtes Weiterwachsen der Triebe erschweren.
Der Zierwein “Engelmannii” (Parthenocissus quinqefolia ‘Engelmannii’) wächst ähnlich, ist aber etwas geschickter beim Erklimmen seitlicher, vom Mast abstehender Bauteile, was ein Nachteil sein kann. Sein Vorteil aber ist, dass er dickere Laubwalzen bildet, mehr in Richtung des Efeus siehe unten, und sich damit ggf. als Aufenthaltsort für Vögel besser eignet als “Veitchii”.
Auch der “Miniwein” (Sorte von Parthenocissus tricuspidata) kommt infrage, wenn die Begrünungshöhe auf 3 - 5 m beschränkt sein soll. Die Jungfernrebe (Parthenocissus quinqefolia) hingegen scheidet eher aus, weil sie mit ihren recht langen Ranken leider auch all das erklimmt, was eigentlich nicht begrünt werden soll, also waagerechte Abspannseile usw..
Die Funktion von Masten zeigt sich erst oben: Sie tragen Laternen, Abspannseile oder Stromkabel. Diese Funktion müssen sie auch nach einer Begrünung erfüllen, ggf. entsteht dadurch ein Pflegeaufwand wegen der Schnittarbeiten. Das ist auch bei Efeu so, allerdings dauert es meist viele Jahre, bis überhaupt eine nennenswerte Begrünungshöhe erreicht ist. Das ist ein Argument für den Efeu, besonders an 12 - 20 Meter hohen Masten, deren Spitze er sowieso kaum erklimmen kann!
Efeu ist der wohl wertvollste Masten-Begrüner, weil sich hier sehr geräumige, ausladende Grün-Zylinder bilden, die von Vögeln als “Baum-Ersatz” erkannt werden. Das resultiert aus der Altersform “Arborescens”, die sich nach einigen Jahren meist unweigerlich bildet. Der Efeu wächst dann eher strauchig und nicht mehr eng an der Wand anliegend. Am Anfang einer Begrünung aber ist Efeu immer ein mit Haftwurzeln kletternder Selbstklimmer.
Noch zwei Vorteile des Efeus: Er ist ökologisch gesehen ein absoluter “Winner” und dazu immergrün, also den Winter über belaubt.
An Gittermasten können auch schlingende oder rankende Pflanzen ohne Unterstützung wachsen. An glatten Masten jedoch wird dann eine Rankhilfe gebraucht, deren Anbringung auf Betonmasten oder Stahlrohr nicht ganz einfach ist.
Deshalb werden bei der Straßenraumbegrünung oft preiswerte Drahtgitter eingesetzt. Das dazu angebrachte, umlaufende Drahtgeflecht wird ggf. nur bis zur halben Höhe geführt, um die Wuchshöhe zu begrenzen und z. B. Spannseile von Straßenbahnleitungen u. ä. frei zu halten. Auch durch die Wahl schwächer wachsender Pflanzen wie Menispermum (Foto) ist es möglich, die Wuchshöhe zu begrenzen.
Mitunter ergibt sich ein Kuriosum: Dann benutzen Rankpflanzen als Kletterhilfe die verästelten Strukturen eines Selbstklimmers, der den Mast zuvor bewachsen hat. Dafür prädestiniert ist vor allem die einheimische Clematis vitalba, deren vom Wind verstreute Nachkommen jede sich nur bietende Möglichkeit nutzen, um an irgendetwas empor zu wachsen. Sie schafft es leider oben dann auch, in den quer gespannten Seilen einer elektrischen Oberleitung (Straßenbahn) weiter zu klettern.

Diese Clematis viticella 'Madame Julia Correvon' wächst im Drahtgeflecht an einer Laterne
Frei stehende Schornsteine, Entlüftungsrohre von Tiefgaragen u.ä. sind weitere Objekte, die sich für eine Begrünung eignen. Sinngemäß gilt auch hier alles weiter oben Gesagte. Andere, aber ähnliche Beispiele finden Sie noch bei Fallrohre.
Blumenkästen lassen sich auch an Masten befestigen, z. B. an Laternen. Es gibt Hersteller, die “Doppelschalen” speziell für die Mastbegrünung anbieten, inclusive Wasserspeicher usw.. So werden Fußgängerzonen und Stadtplätze aufgewertet!