Die Begrünung frei stehender Mauern erfordert gestalterisch ein besonderes Herangehen, wie hier gezeigt wird. Ergänzende Infos finden Sie auch bei Stützwänden sowie Trockenmauern und Gabionen.
Die begrenzte Höhe einer frei stehenden Mauer erschwert zunächst die Pflanzenwahl. Stark wüchsige Pflanzen scheiden aus, oder ihre Wuchskraft ist durch Rankhilfen, Schnitt usw. waagerecht zu leiten. Und schon in der Planungsphase sollte klar sein, ob die Mauerkrone mit begrünt wird. Alle Faktoren wie schnelle Flächendeckung, immergrüner Bewuchs, Pflegearmut, geringer Wasserbedarf, keine oder preiswerte Rankhilfen lassen sich nicht vereinen, hier sind Prioritäten zu setzen. Danach richtet sich dann die Bepflanzung. Besonders häufig werden folgende Pflanzen gesetzt:
Das ist die klassische Art der Mauerbegrünung! Um Licht und Wärme auszunutzen, wurde früher jede nur zur Verfügung stehende sonnige Wand mit Reben in den verschiedensten Erziehungsformen bepflanzt. Es ging um die Gewinnung von Alkohol, der als Grundstoff in Wirtschaft und Medizin gebraucht wurde, mehr dazu unter “Mittelalter”.
In kühleren Gegenden Mitteleuropas lieben viele Pflanzen die gespeicherte Wärme einer schützenden Wand. In diesem Sinne wurden schon früher Mauern nutzbringend mit Spalierobst bepflanzt. Ab dem Barock wurden sogar Mauergärten mit "Talutmauern" extra angelegt, um Spalierobst zu erzeugen. Neben Holzspalieren wurden Waagerechtdrähte benutzt - aus solchen Anordnungen entstand das System 8010.
Oft werden an Mauern "Selbstklimmer" wie Wilder Wein und Efeu gesetzt, womit Rankhilfen sich erübrigen. Bei Verwendung dieser Pflanzen aber kommt es in besonderem Maße darauf an, dass die Mauer intakt ist. Die Mauerkrone muss alle Niederschläge abweisen und ableiten, so dass kein Wasser von oben eindringen kann, und sämtliche Fugen sollten geschlossen sein, so dass die Triebe der genannten Pflanzen hier nicht eindringen können. Ebenfalls geeignet und weniger "aggressiv" sind Kletterhortensie und Kletterspindel.
Viele Kletterpflanzen können auch überhängend wachsen und werden dann zu “Hängepflanzen ”. Diese Eigenschaft lässt sich nutzen, wenn eine Mauerkrone begrünt wird und das Grün dann auf der der Pflanzstelle abgewandten Mauerseite herunter fällt und weiter, wie ein Vorhang, nach unten wächst. Bei Mauern, die ein höheres Erdniveau abstützen ("Stützmauern"), kann die Begrünung auch gleich oben gepflanzt werden und dann überhängend an der Sichtseite der Mauer wachsen. Besonders prädestiniert für solche Begrünungen sind Cotoneaster und Winterjasmin, aber auch Efeu und viele der “Roten Zierweine”.
Welche Kletterpflanzen sind für “technische” Wände besonders geeignet, das heißt, welche kommen mit Hitze, Trockenheit und Vernachlässigung besonders gut zurecht? Dazu führte die “Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau” (Frau Eppel-Hotz) von 1994 bis 2011 einen Langzeitversuch an einer 700 m langen Lärmschutzwand entlang der B 27 / Ortsdurchfahrt Veitshöchheim durch. Am Anfang wurd noch ein bißchen bewässert und gedüngt, dann überließ man die Begrünung sich selbst. Von 41 Kletterpflanzen-Arten stellten sich nach 15 Jahren nur 4 als “uneingeschränkt empfehlenswert” dar: Zwei Weinreben-Arten (Vitis vinifera und Vitis amurensis), dazu die Griechische Geißschlinge (Periploca graeca) und der Knöterich (Polygonum aubertii). Hier finden Sie den gesamten Bericht als pdf..

Mit verschiedenen Pflanzen wie Pfeifenwinde und Mini-Wein lässt sich eine Mauer abwechslungsreich begrünen!
Zur Aussteifung haben ältere, lange Mauern oft aller ca. 3 Meter Pfeiler oder zumindest "Pfeilervorlagen", also einseitige Verdickungen. An ihnen lassen sich horizonzale Drähte oder Drahtseile oft gut befestigen. Noch einfacher ist es, Rankhilfen in Betonmauern anzubringen, weil hier quasi überall und ohne Bedenken gebohrt werden kann. Weitere Details zu Baumaterialien finden sich unter “Wandtypen”. Und auch die nachfolgenden Aspekte sind noch beachtenswert:
Fast immer sind Mauern auch “gegründet” und haben dann ein unterirdisches Fundament. Dieses zerteilt den zur Verfügung stehenden Wurzelraum. Eine Kletterpflanze, die dicht an einer Mauer emporwächst, hat dann nur einen eingeschränkter Wurzelraum, schlimmstenfalls nur die Hälfte dessen, was ohne Fundament verfügbar wäre, zumindest so lange, bis ihre Wurzeln irgendwann unter das Fundament gewachsen sind. Auch das Wasserangebot im Boden ist damit dann halbiert, eigentlich genauso wie bei jeder normalen Fassadenbegrünung. Jetzt kommt aber hinzu: Die Mauer zieht auch noch Wasser aus dem Boden und verdunstet es, das Wasserangebot verringert sich also nochmals.
Zugleich haben die Pflanzen einen stark erhöhten Wasserbedarf, zumindest wenn sie an der warmen (Süd-) Seite einer Mauer wachsen. Aus der simplen Annahme “nur halb so viel Wasser verfügbar, aber doppelt so hoher Bedarf” lässt sich schnell ein um den Faktor 4 erhöhter Wasserbedarf bei Mauerbegrünungen herleiten, und schon kommt das Thema “Bewässerung” ins Spiel. Andererseits bremst wenig Wasser bei manchen Pflanzen auch einen allzu starken Wuchs, so dass sich bezüglich der Blattmasse das gewünschte Gleichgewicht zwischen eigentlicher Wuchskraft und der tatsächlich zur Verfügung stehenden Fläche einpegelt. Im Zweifelsfall kommt es immer auf einen Versuch an!
Manche Mauern, z. B. solche aus Beton haben keine Mauerkrone und brauchen auch keine. Ansonsten werden oft Abdeckungen aus Zinkblech verwendet. Aber auch Dachziegel, Naturstein-Platten oder vermörtelte Klinker-Steine sind üblich. Es sollte verhindert werden, dass Triebe von Kletterpflanzen unter ein Blech oder in Ritzen und Spalten jeglicher Art wachsen, weil sie sonst durch ihr Dickenwachstum Bauschäden verursachen. Noch sicherer ist es, empfindliche Mauerkronen ganz frei von Bewuchs zu halten!
Rankhilfen sind bei fast allen Pflanzen erforderlich, außer Efeu und Wildem Wein. Die Seilsysteme von FassadenGrün decken auch Anwendungsfälle an Mauern ab, z. B. mit den bandartigen Grundformen 8010 und 8020. Ggf. werden mehrere Seilsysteme wie 4010, 4020 oder solcher aus der 6000-er Kategorie nebeneinander gruppiert. Infrage kommen aber auch auf die Mauer geschraubte Drahtrahmen. Doch Vorsicht: Waagerechte Seile sind im Straßenraum vandalismusgefährdet wegen des Leiter-Effektes.
Bei Ziegel- und Natursteinmauerwerk sollte nicht in Randbereichen unter 20 cm befestigt werden, hier besteht Rissgefahr! Näheres dazu auf dem Merkblatt Bohrarbeiten. Selbst im Bereich von 25 - 40 cm Abstand sollte bei solchen Mauern besser "spreizdruckfrei", also ohne Dübel und mit Verbundmörtel befestigt werden. Wände aus Beton sind hingegen unkritisch.