Kaum zu glauben, aber wahr: Fassadengrün bringt trockene Wände! Auch wenn es keine fachgerechte, moderne Bautrocknung ersetzt, kann es zumindest dazu beitragen... Eine Tatsache, die bei der Renovierung alter Häuser zu denken gibt!
Die Mauern alter Häuser waren so lange halbwegs trocken, wie Weinstock oder Obstbaum am Haus gediehen. Kletterpflanzen haben eine austrocknende Wirkung auf Grundmauern, die früher bewusst bei der Begrünung von Gebäuden genutzt wurde. So muss eine Rebe im Weinberg allein für 1 kg gebildete Trockenmasse (also ca. 2 kg Holz oder 10 kg Früchte) 300 Liter Wasser ziehen und verdunsten. Bei der Fassadenbegrünung, also an warmen Wänden wird sich dieser Wert wegen der verstärkten Verdunstung vermutlich auf ca. 500 Liter erhöhen!
Mit weit verzweigten Oberflächenwurzeln wird zunächst das Niederschlagswasser weggesaugt, so dass es meist gar nicht erst tief in den Boden dringen kann. Mit Tiefwurzeln wird dann auch weiter unten liegende Feuchtigkeit aufgespürt. Weinreben haben eine besonders hohe “Saugkraft” bzw. eine hohe “Wurzelkraft”, die messtechnisch bei ca. 16 bar liegt. Zum Vergleich: Weizen bringt es hier nur auf 10 bar. Weinreben sind somit in der Lage, einem auch schon weitgehend trockenen Boden noch Wasser zu entreißen und wegzusaugen. Ist eine Stelle ausgetrocknet, verkümmern dort die Wurzeln und wachsen zu einem neuen Feuchtigkeitsherd....
Fassadenbegrünung als Bautrocknung - das kann auch ein Argument sein, um den Denkmalschutz von einer Begrünung zu überzeugen, falls dieser sich mit der Genehmigung dafür schwer tut…
Auffällig an den meisten Beispielen ist, dass keine “Baumscheibe” oder Ähnliches zum Bewässern existiert, was wiederum verdeutlicht, dass die jeweiligen Pflanzen sich ihr Wasser einzig und allein aus dem Untergrund holen.