Technisierte Begrünungssysteme sind eine Alternative zur klassischen Fassadenbegrünung. Sie nennen sich “Living Wall” oder “Vertikale Gärten” und werden in der Architektur zunehmend eingesetzt, vor allem bei sehr repräsentativen Fassaden und bevorzugt in Südeuropa und Fernost (z. B. Singapur).
Für dieses Begrünungskonzept entscheiden sich besonders Betriebe aus der grünen Branche und solche, die eine entsprechende Zugehörigkeit oder manchmal auch edlen Luxus demonstrieren wollen. Ein Pionier ist hier der Franzose Patrick Blanc mit seinen "Vertikalen Gärten". Das Grün wächst dort nicht aus dem Erdboden oder aus bodenständigen Kübeln nach oben, sondern sitzt in Form bepflanzter Module oder Textilbahnen auf der Fassade. Es ist sofort oder wenige Wochen nach der Installation voll präsent.
Solche Fassadengärten sind meist sehr teuer. Im unteren Segment gelten Preise ab 300 Euro pro begrüntem Quadratmeter (Stand 2020), im mittleren Segment ca. 700 Euro und nach oben ist keine Grenze gesetzt. Zugleich sind die Begrünungen pflegeintensiv. In der Datenbank von “GRÜNSTATTGRAU” finden Sie viele solcher Projekte: gruenstattgrau.at/netzwerk/datenbank/
Für solche Begrünungskonzepte werden zwei Leitbilder kombiniert. Zum einen ist es die Fähigkeit einiger Pflanzen, mit wenig Mutterboden auf Felsen, Steinplatten usw. wachsen zu können. Daraus entstand die Idee, das auch auf Mauern und Haus-Fassaden zu übertragen. Die zweite Idee war, aufgehängte Blumenkübel wie in den Straßen Südeuropas oft zu sehen dicht neben- und übereinander zu packen und damit nicht nur punktuelle, sondern flächige Effekte zu erzeugen. So entstanden modulare Begrünungssysteme.
Die Pflanzen wachsen aus speziellen Töpfen, Pflanztaschen, Substratplatten oder Textilbahnen frei in den Raum, Bewässerungseinrichtungen nebst Pump- und Meßtechnik sind meist mit verankert. Auch eine automatische Zufuhr von Düngemitteln ist oft integriert. Rankhilfen sind bei solchen Projekten meist nicht erforderlich.
Preiswerte Begrünungssysteme sind beipielsweise die "Hecke am laufenden Meter", die sich auch zur Fassadenbegrünung eignet, oder Hängesysteme mit Töpfen und Pflanztaschen, die manuell bewässert und im Winter abgenommen werden. Eine weitere Variante ist der Einsatz von Selbstklimmern in durch Vor- oder Rücksprünge abgegrenzten Wandfeldern, wodurch ein definierter Flächenbewuchs entsteht. Hier ist der Pflegeaufwand auch gering.
Das Bauvorhaben, bestehend aus zwei 60 bzw. 45 Meter hohen Wohntürmen und einer großen “Stadtvilla” wurde 2022 fertiggestellt. Bauherr ist die “QUARTERBACK Immobilien AG”, der Entwurf wiederum stammt von “Worschech Architekten” in Erfurt. Vorbild für die Entwurfsidee war der “Bosco Verticale” (Vertikaler Wald) in Mailand.
Vertikales Grün war also von Anfang an vorgesehen, und zwar mit beachtlichen 2.000 qm Fläche. Damit ist das WIR-Quartier in Deutschland schon eines der sehr großen Projekte mit “Living walls”! Das Gebäude-Ensemble enthält Wohnungen aller Größen und Zuschnitte, eine KiTa und mehrere Gewerbe-Einheiten im Erdgeschoß. Jeder im Gebäude soll irgendwo Anschluß an ein Stückchen Grün haben, deshalb die kleinteilige Struktur der Begrünungsflächen. Zum Einsatz kam das holländische System “SemperGreenwall Outdoor”, bei dem die Pflanzen in Textil-Kassetten stecken und von hinten bewässert werden.