Obst am Spalier hat jahrhundertelange Tradition, erfordert aber Fachkenntnis, viel Pflege und gehört in den Bereich der "Liebhaberei". Wer Zeit investiert und Rückschläge verkraftet, kann sich an Spalierobst versuchen! Häufig angebaut werden Birnen, dann Aprikosen, Pfirsiche und andere. Weinreben und Kiwi werden bei "FassadenGrün" gesondert behandelt.
Durch geschickte Auswahl lässt sich für jede Wand eine Obstart finden, Details s. unten.
Als Sträucher je nach Art, siehe unten.







Müssen das Stammgerüst an der Wand verankern. Wandabstand spielt nur geringe Rolle und sollte aufgrund der Lasten eher knapp sein. Hinterlüftung jedoch ist nötig. Geeignete Seilsysteme siehe unten, schwere / massive Bausätze, auch mittlere, in Ausnahmefällen einfache Bausätze. Oft auch Holzspaliere.
Viele Möglichkeiten, Spezial-Literatur. Um den Pflegeaufwand zu reduzieren, geht der Trend seit ca. 70 Jahren weg von den strengen "Palmetten" zu naturnahen Fächerformen.


















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Haben Sie nur ein winziges Grundstück und möchten trotzdem Obst ernten? Oder reizt der Anbau einer besonders schmackhaften Sorte, die Sie aus Großvaters Garten kannten und nie im Handel sahen? In beiden Fällen bietet sich Spalierobst an, am Haus oder an einer Mauer.
Warum aber gedeiht Wandobst so gut? Eine besonnte Mauer schafft Bedingungen, wie Obstgehölze sie sonst nur in südlichen Ländern finden. Die Wand ist windgeschätzt, die sich stauende Wärme wird weniger weggeblasen und kommt den Pflanzen zugute. Viele Obstarten sind davon begeistert, allerdings nur bei ausreichender Wasserversorgung.
Werden Wintersorten als Spalierbäume gezogen, müssen allerdings auch entsprechende Lagerbedingungen vorhanden sein!
Allgemein lässt sich sagen, dass Weinreben, Birnen und Pfirsiche die pralle Sonne auch unter Mittag genießen und deshalb als Spalierobst an Süd- bis Westwände gehören. Äpfel, Kirschen, Pflaumen und Aprikosen mögen es weniger, auf solche Weise "reifgekocht" zu werden. Sie verlieren schnell an Aroma und Spritzigkeit (Säure). Aprikosen blühen dann auch zu zeitig und werden spätfrostgefährdet. Hier genügen meist halbschattige Standorte an Hauswänden. Anspruchslose Sommerbirnen und Kirschen gedeihen sogar an schattigen Nordwänden!
Insgesamt lassen sich folgende der klassischen Obstarten in der Reihenfolge abnehmender Lageansprüche am Wandspalier kultivieren: späte Weinreben, (Spät-) Winterbirnen, Spätwinteräpfel, Pfirsiche, Spätherbstbirnen, Winteräpfel, frühe Weinreben, Pflaumen, Frühherbstbirnen, Herbstäpfel, Aprikosen, Sommerbirnen, Süßkirschen, Sommeräpfel, Sauerkirschen
In Höhen- und anderen Grenzlagen, wo keine Birnen gedeihen, bietet die Spalierkultur - neben Folienzelt und Glashaus - eine Möglichkeit für Liebhaber, anspruchslosere Sorten doch zu kultivieren. In Gebieten aber, wo Obst- oder gar Weinbau betrieben wird, lassen sich am Obstspalier besonders hochwertige Lagerbirnen ziehen, die sonst nur in südlichen Ländern wachsen bzw. überhaupt nicht in den Handel kommen.
Birnenspaliere hatten meist über viele Etagen gehende, streng abgewinkelte geometrische Formen, so genannte "Palmetten". Die jungen Triebe lassen sich relativ einfach in Formen zwängen. Der über Jahre gehende Aufbau eines Spalierbirne ist aber kompliziert und wird heutzutage selten beschrieben. Interessenten sollten nach alten Gartenbüchern suchen. Zeitgemäßer sind wegen des geringeren Pflegeaufwandes die freien Fächerformen.
Wichtig ist auch das Vorhandensein von zeitgleich blühenden Befruchtersorten in der Nachbarschaft bis ca. 200 m Entfernung. In Ratgebern ist für jede Birnsorte angegeben, welche anderen Sorten als Befruchter ("Pollenspender") in Frage kommen. Diese Thematik ist gerade außerhalb von Obstbaugebieten wichtig. Erschwerend kommt womöglich hinzu, dass eine Sorte am Spalier wesentlich früher blüht als der ins Auge gefasste, zugehörige Pollenspender im Freiland und die gewünschte Überdeckung der Blühzeiten nicht zustande kommt. Wegen der Risikostreuung ist das Vorhandensein mehrerer, anderer Sorten in der Umgebung gewiss besser als die Wahl nur einer ganz bestimmten.
Eben so bedeutsam ist der Schnitt: Er muss oft sortenspezifisch erfolgen. Gute, alte Sortenratgeber (z. B. Herbert Petzold "Birnensorten"/"Apfelsorten" für das Gebiet der ehemaligen DDR) beschreiben sehr genau, an welcher Art von "Holz" die jeweilige Sorte trägt und wie geschnitten werden muss.
Beim Kauf der Pflanzen ist darauf zu achten, dass die künftige Spalierbirne speziell als "Spalierbusch" oder "Spindel" veredelt bzw. dafür definitiv ausgewiesen ist. Entweder werden bereits an Minispaliere geheftete Pflanzen gekauft, oder man bestellt im Versand bei spezialisierten Baumschulen. Manche bieten sogar Spalierbirnen mit Doppel-Veredelung an, dann ist die Befruchtung gesichert. Das gilt auch für Äpfel. Es rächt sich, wenn an dieser Stelle gespart wird!
In städtischen Wohngebieten, wo (Zier-) Wacholder stehen, wird eine Spalierbirne mit ziemlicher Sicherheit stark vom Birnengitterrost befallen. Das ist ein Pilz, der den Wacholder als Zwischenwirt benutzt. Er schränkt die Assimilationsfähigkeit der befallenen Blätter ein, befällt aber nicht die Früchte selbst. Aus ästhetischen Gründen ist dies aber oft der Todesstoß für ein Birnspalier.
Spalierbirnen sind eine Herausforderung für Liebhaber!
Sie lassen sich weniger gern in abgewinkelte Formen zwängen und werden am Spalier daher freier, fächerförmig geheftet. Oft werden die Büsche auch einfach vor eine wärmende Wand gepflanzt, ohne jede Rankhilfe. Die jeweilige Sorte sollte nach dem Reifezeitpunkt gewählt werden, und zwar folgendermaßen: Am Wandspalier werden Früchte gleicher Sorte 2 - 3 Wochen früher reif als im Freiland, das ist zu beachten, sonst verfaulen sie womöglich während der Urlaubszeit....
Die meisten Apfelsorten werden am Wandspalier allgemein wohl nicht besser als im Freiland, aber hat man sonst keinen Platz, lassen sie sich gut am Haus kultivieren. Es gibt aber auch spezielle Spalierapfel-Sorten, deren Früchte früher als teure Raritäten gefragt waren, so der "Weiße Winterkalvill".
Sicher lassen sich am Spalier besonders schöne, große Äpfel ziehen, wenn man als Liebhaber stets alle im Reifeprozess überschaut und den Fruchtbehang ausdünnt.
Ansonsten gilt - vielleicht in etwas abgeschwächter Form - das schon für Birnen Gesagte. Viele der alten Sorten werden leider wegen der Mehltauanfälligkeit als Spalierobst ausscheiden, wenn man auf Spritzungen verzichtet. Alternativ sei auf die neuen, mehrfachresistenten RE-Sorten aus Pillnitz/Dresden verwiesen.





