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Langer Schnitt bei Hauswein

Der lange Schnitt mit 8 - 12 Augen - auch Bogenschnitt, Rutenschnitt oder Guyot-Schnitt genannt - ist die in den Weinbergen übliche Form und wird mitunter auch bei Hauswein praktiziert. Mit diesem Schnittsystem lassen sich wuchsstarke Sorten bändigen, Lücken im Stammgerüst überbrücken und besonders hohe Erträge erzielen. Der Schnitt wird auf dieser Seite für einen bereits aufgebauten Hauswein gezeigt. Bitte nutzen Sie vorher ggf. die Informationen zur Erziehung im 1. bis 3. Jahr!

Die Grafiken unten zeigen den langen Schnitt über mehrere Jahre hinweg an einem "Abgang" vom Stamm des Hausweines. Jeweils im Abstand von ca. 40 bis 80 cm sind andere Abgänge am schon aufgebauten Stammgerüst vorhanden, die ggf. abweichend auch kurz oder mittellang geschnitten sein können. Der neue Stamm-Abgang wird in den Bilder-Folgen jeweils aus einem Trieb entwickelt, welcher im Zuge des Stockaufbaus planvoll angelegt war. Derselbe Ablauf ergibt sich aber auch für einen in späteren Jahren wild am Hauptstamm entsprungenen Wasserschoss, aus dem im Zuge einer Verjüngung ein neuer Abgang formiert wird.

 

Der Bogenschnitt gliedert sich in Vorschnitt, Fruchtholzschnitt und Biegen/Binden. Die Schritte können unmittelbar nacheinander, aber auch um Tage oder Wochen versetzt erfolgen. Es wird empfohlen, am Haus diese Schrittfolge einzuhalten: Alle Abgänge des Weinstocks erhalten zunächst den Vorschnitt, damit ist die Masse des Holzes ab, und schlagartig wird der Stock überschaubar. Um so einfacher fällt dann der Fruchtholzschnitt und ggf. das Abzählen der Knospen auf 10 - 20 Stück pro qm Wandfläche.

 

Die linken Grafiken zeigen jeweils den Abgang, wie er sich nach dem Blattfall im Winter präsentiert, und den Vorschnitt ins alte Holz (dunkelbraun). Vorausgegangen war ein Sommerschnitt, sonst wären die Triebe jetzt viel länger. Jeder Trieb hatte im Sommer meist 1 bis 2 Trauben. Die mittleren Grafiken zeigen den eigentlichen Fruchtholzschnitt ins Vorjahresholz (ocker), die rechten Bilder dann das Ergebnis. Das zusätzlich nötige Biegen / Binden wird separat beschrieben.

Zwei Abgänge eines Rebstammes mit "Bogen und Ersatzzapfen", zu Beginn des Frühjahresaustriebs.
Bogenschnitt Reben
Grafik 00: Junge Rebe in Fächerform, der eingerahmte Bereich wird auf allen folgenden Grafiken betrachtet.
Skizze Schneiden

Beginn 4. Jahr

Grafik 01: ein neuer, gut verholzter Seitentrieb einer jungen Rebe (Grafik 00) oder auch ein Wasserschoss an einer schon alten Hausrebe.
Grafik 02: Es wird zunächst stark, und zwar auf "Zapfen" geschnitten, damit auch ein starker Austrieb stattfindet und die künftigen Ruten kräftig wachsen.
Grafik 03: Formierter Zapfen

Beginn 5. Jahr

Grafik 04: Es findet kein Vorschnitt statt, denn beide Triebe des Zapfens werden gebraucht: Die obere Rute als Fruchtholz für die anstehende Saison, die untere Rute als Ersatz- bzw. Zukunftszapfen.
Grafik 05: Schnitt der oberen Rute zu langem Fruchtholz und der unteren zum "Ersatzzapfen". Dieser muss immer näher am Stamm stehen als die jeweilige Frucht-Rute, damit der gesamte Abgang im Laufe der Jahre nahe am Stamm bleibt.
Grafik 06: Fertig geschnittener Abgang mit gebogener Fruchtrute ("Bogen") und Ersatzzapfen.

Beginn 6. Jahr

Grafik 07: Alle Triebe des Bogens hatten im Idealfall 1 - 2 Trauben und sind jetzt "abgetragen". Der gesamte Bogen nebst allen Trieben wird jetzt beim Vorschnitt entfernt.
Die zwei Triebe aus dem Ersatzzapfen entwickeln sich oft so kraftvoll, dass auch ihnen im Sommer die Früchte belassen werden können, andernfalls wurden diese Trauben im Frühsommer entfernt.
Grafik 08: Formierung des neuen Bogens für die nächste Saison (Fruchtholzschnitt) und des Ersatzzapfens für die übernächste Saison. Der Ersatzzapfen muss stets näher am Stamm stehen als die Fruchtrute, die im Winter wieder entfernt wird!
Grafik 09: Fertig geschnittener Abgang mit Bogen und Ersatzzapfen.
Die Fruchtrute ist diesmal bereits in einer annähernd waagerechten Position und muss quasi nicht mehr gebogen, sondern nur noch angebunden werden.

Beginn 7. Jahr

Grafik 10: Viele oder alle Triebe am Bogen hatten wieder Trauben und sind "abgetragen", der gesamte Bogen nebst Trieben wird entfernt.
Grafik 11: Formierung des neuen Bogens für die nächste Saison und des Ersatzzapfens für die übernächste. Der Ersatzzapfen muss wieder näher am Stamm stehen als die Fruchtrute.
Grafik 12: Fertig geschnittener Abgang mit Bogen und Ersatzzapfen.
Diesmal stand die Fruchtrute in einer sehr ungünstigen Position und musste vorsichtig mit Drehen und "Knirscheln" in die gewünschte Lage gebracht und angebunden werden.

Beginn 8. Jahr

Grafik 13: Viele oder alle Triebe am Bogen hatten wieder Trauben und sind "abgetragen", der gesamte Bogen nebst Trieben wird beim Vorschnitt entfernt.
Grafik 14: Formierung des neuen Bogens für die nächste Saison und des Ersatzzapfens für die übernächste. Der Ersatzzapfen muss wieder näher am Stamm stehen als die Fruchtrute.
Grafik 15: Fertig geschnittener Abgang mit gebogener Fruchtrute ("Bogen") und Ersatzzapfen.