Hier geht es um die Vor- und Nachteile der klassischen, “bodengebundenen” Fassadenbegrünung, wo Pflanzen direkt im Erdboden wachsen. Zu diesem Konzept gehören Pflanzgrube, Gießmulde und Stammschutz. Auch manche Dachbegrünung, z. B. auf Tiefgaragen, zählt in diese Kategorie!
Solche Begrünungen sind meist sehr vital, die Pflanzen können besonders hoch wachsen und es entstehen üppige Grün-Flächen mit hoher Grün-Dichte. Das Konzept ist viele Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte lang erprobt, es sind alle damit verbundenen Probleme bekannt und somit auch lösbar siehe unten.
Und: Solche Begrünungen können sehr, sehr alt werden, doch das hängt von den verwendeten Pflanzen-Arten ab. Manche werden über 100 Jahre alt, andere erliegen schon nach 10 - 20 Jahren den Folgen der “Vergreisung” siehe unten und sterben dann, meist an Trocken-Stress.
Besonders langlebig sind jene Arten, die im Alter eine baumartige Struktur entwickeln, also einen ziemlich dicken Stamm mit Verzweigungen und Verästelungen. Durch Schnitt und Formierung wird der Aufbau einer solchen Struktur unterstützt.
Nachfolgend finden Sie Beispiele dafür, wie üppig, vital und hoch Fassadenbegrünungen werden, wenn die Pflanzen aus dem Erdboden oder aus einer dicken Substratschicht wachsen. Bei Kultur in einem Pflanztopf wären all die abgebildeten Beispiele deutlich kleiner, schmaler und weniger üppig:
Bodengebundene Fassadenbegrünung braucht Pflanzgruben! Oder eine mindestens 30 cm dicke Substrat-Schicht, wenn die Begrünung auf dem Dach einer Tiefgarage wachsen soll.
Wenn irgend möglich sollte eine Pflanzgrube durchgängig Kontakt zum gewachsenen oder auch aufgeschütteten Erdreich haben. Staunässe am Boden der Pflanzgrube ist unbedingt zu vermeiden. Die Oberfläche einer Pflanzgrube kann "offen", gemulcht oder auch bekiest sein.
Eine Pflanzgrube für Fassadenpflanzen sollte immer mit einer ausgedehnten Gießmulde kombiniert sein. Das gilt für die Zeit der Anfangspflege, also für die ersten 1 - 2 Jahre, aber eigentlich auch für alle Folgejahre. Das Erdniveau der Pflanzgrube sollte also dauerhaft ca. 10 cm tiefer liegen als der umgebende Erdboden oder das umgebende Steinpflaster.
Als Vermittler zwischen einer Pflanzscheibe und dem umgebenden, befestigten Boden dienen oft Pflasterringe oder Formsteine aus Beton. Sie fassen die Pflanzstelle ein, schützen aber auch ein umgebendes Pflastergefüge vor Lockerung und Zerfall. Die Größe der steinernen Einfassung kann sich nach der geplanten Begrünungsfläche und dem künftigen Stammdurchmesser der Kletterpflanze richten, zwingend erforderlich ist das aber nicht. Letztlich ist der begrenzende Steinring nur eine Art “Flaschenhals”, ein ausreichendes Erdvolumen weiter unten und die Wasserversorgung sind wichtiger für das Gedeihen der Begrünung
Schutzgitter für Kletterpflanzen werden vor allem im öffentlichen Raum gesetzt. Früher schützten sie Weinstöcke und Obstbäume vor dem Vieh, das durch die Straßen lief, mehr Infos dazu gibt es bei “Schutzgitter”. Vor welchen Gefahren die Gitter heute eigentlich schützen sollen, lässt sich oft nicht ergründen.
Ab einer gewissen Größe jedenfalls sind solche Gitter auch gleich als Rankhilfe bzw. Rankgitter nutzbar, gesonderte Wandgitter sind dann gar nicht mehr nötig. Bitte beachten Sie: FassadenGrün verkauft keine solchen Gitter.
Ja, darüber sollte gesprochen werden. Es wird nachfolgend versucht, alle, aber auch wirklich alle nur irgend möglichen Probleme zu erfassen. Wenn das dann nicht mehr “abschreckend” ist, können Sie beginnen, Ihre bodengebundene Begrünung zu ralisieren! Die meisten der hier beschriebenen Probleme entstehen zudem aufgrund mangelnder oder unterlassener Pflege, sind also eigentlich vermeidbar und damit weniger relevant.
Dies ist das größte Problem solcher Begrünungen: Der Erfolg lässt oft lange auf sich warten. 3 - 10 Jahre bis zum Erreichen des Begrünungszieles sind keine Seltenheit, je nach gewünschter Begrünungshöhe. Im Deutschen sagt man dann: "Die Pflanzen kommen nicht aus der Hefe”, der Brotteig geht also nicht auf. Wie lässt sich das Ganze beschleunigen? Erstens: Je mehr Arbeit in die Pflanzgrube investiert wurde, umso besser und schneller geht es. Und zweitens: Durch vorgezogene, große “Solitärpflanzen” können 1 - 3 Jahre gespart werden. Drittens: Die Wasserversorgung ist entscheidend. Des Weiteren muss die Pflanzscheibe gepflegt und frei von Unkraut gehalten werden siehe oben, und auch Dünger ist manchmal nötig.
Nach Überwindung aller Startprobleme sind die Pflanzen dann nach einigen Jahren etabliert, das Ranksystem ist komplett bewachen, das Begrünungsziel somit erreicht. Durch regelmäßigen Schnitt, meist einmal pro Jahr, wird dieser Zustand jetzt stabilisiert.
Nun sind aber immer wieder Begrünungen zu sehen, die stark nach vorne in den Raum vor der Wand wachsen und sehr geräumige “Laub-Walzen” bilden. Für Vögel ist das ein Segen, weil sie sich in einer Fassadenbegrünung eigentlich erst dann wohlfühlen, wenn diese nicht nur flächig, also zweidimensional, sondern dreidimensional wird. Solche Laubwalzen entstehen, wenn Kletterpflanzen nicht oft genug geschnitten werden. Manche Arten wie Schlingknöterich (Polygonum aubertii) und Klettertrompeten (Campsis) neigen stark dazu, andere deutlich weniger. Nachteil solcher Laubwalzen sind die stark erhöhten Gewichte, die sich dann auch auf die Rankhilfe übertragen und bei Regen, Schnee und Eis nochmals größer werden.
Üppig belaubte Pflanzen brauchen auch entsprechend mehr Wasser und sind anfälliger bei Wassermangel, z. B. in Trockenzeiten! Das kann bis zum Absterben und zum Verlust der Begrünung führen. Allzu üppige Belaubung ist also kein besonderes Qualitätsmerkmal, sondern schlichtweg ein Anzeichen für unterlassene Pflege.
Des Weiteren entsteht unter einer solch dichten Laubmatte auch viel totes und trockenes Holz, was für den Brandschutz bei Begrünungen nicht gut ist. Auch deshalb sollten Begrünungen gepflegt und durch Schnitt eher “flach” gehalten werden. Die Dicke der Laubschicht sollte im Frühling, also beim Austrieb bei ca. 20 cm liegen und darf dann bis zum Schnitt im Herbst ca. 50 cm erreichen. Diese Werte sind allerdings nur ein grober Anhaltspunkt und können artbedingt abweichen.
Dies ist ein spezielles Problem von “Selbstklimmern” wie Efeu (Hedera helix) und Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata) siehe Foto, wenn diese ohne Rankhilfe an Fassaden gesetzt werden. Es betrifft vor allem ältere, schon sehr große Pflanzen, aber auch niedrige Begrünungen an Mauern, dann vor allem beim Efeu. Mit einer Absturzsicherung in Form waagerechter Drahtseile ist das Problem eigentlich gebannt und tritt nicht auf. Das bedeutet allerdings, dass solche vermeintlichen Billig-Begrünungen nach dem Motto “Pflanz' einen Wilden Wein an dein Haus, und alles wird gut!” eben doch nicht ganz so preiswert sind, wenn sie nachhaltig sein sollen.
Durch eine Fassadenbegrünung können Bauschäden entstehen, wenn schlecht geplant wurde oder jegliche Pflege (Rückschnitt) unterlassen wird. Es sind allerdings nur wenige Pflanzen-Arten, die wirkliche Schäden verursachen. Und es geht vor allem um oberirdische Schäden, weniger um Fundamente, Kellermauern und Leitungen im Erdreich. Die bekanntesten Schadbilder sind von Glyzinien (Wisteria) zerdrückte Regen-Fallrohre oder von Efeu angehobene Dachziegel. Die Thematik ist umfangreich und wird auf der Seite “Bauschäden” detailliert behandelt.
Bodengebundenen Begrünungen mangelt es mitunter an Blattmasse im unteren Bereich. Abhängig von den Arten der Kletterpflanzen tritt dieses Phänomen gar nicht oder auch sehr stark und damit unangenehm in Erscheinung. Verantwortlich dafür ist die “genetische Programmierung” einiger Pflanzen, die darauf abzielt, im dichten, dunklen Wald schnell in die Höhe zu wachsen und die Busch- oder Baumkronen zu erreichen. Dort oben findet dann üppige Laub- und Fruchtbildung statt, aber die unteren Bereiche werden vernachlässigt und präsentieren sich oft völlig frei von Blättern. Auch eine nennenswerte Verzweigung oder ein Neuaustrieb lassen sich dort unten kaum anregen, es sei denn, die Kletterpflanze wird komplett zurückgeschnitten.
Durch Lichtmangel, also an schattigen Wänden oder an Nord-Fassaden wird dieses Phänomen noch verstärkt. Vorbeugen lässt sich hier mit der Wahl der richtigen Arten. Bei den Pflanzen-Portraits von FassadenGrün finden Sie dazu Hinweise und beispielhafte Fotos, so zum Beispiel beim Immergrünem Geißblatt (Lonicera henryii). Bei einem Hotel-Eingang oder beim Freisitz eines Cafes sollten dann ggf. zusätzlich Kübelpflanzen platziert werden, um dieses “Verkahlen” zu kaschieren.
Leider gibt es unter den Kletterpflanzen nur wenig wintergrüne, so dass bei dieser Art Fassadenbegrünung oft eine Zeit ohne Grün hingenommen werden muss. Das sind meist 3 - 6 Monate pro Jahr! Manche Arten behalten ihr Laub länger und treiben auch im Frühling eher wieder aus, dann ist die Zeitspanne nicht so lang. Auch bei mildem Klima wie in Süddeutschland oder am Bodensee beginnt die blattlose Zeit allgemein später, oft erst im Dezember, und endet auch entsprechend eher.
Im Einzelfall ist zu überlegen, wie weit oben auf der Prioritätenliste das Thema “wintergrün” steht, und dann ist zu schauen, ob sich für den konkreten Standort mit seinem Mikroklima eine passende Pflanzen-Art findet.
Hier sind verschiedene Arten von Mehltau (Erysiphaceae) zu nennen. Betroffen sind vor allem Weinreben und Rosen, gelegentlich auch Akebien (Akebia quinata), das Japansche Geißblatt (Lonicera japonica) und Pfaffenhütchen (Euonymus). Es bildet sich ein muffiger, nach Pilz riechender weißer Belag auf den Blatt-Oberseiten, auch Blüten und Früchte können befallen sein. Bei Fassadenbegrünungen verstärkt sich die Anfälligkeit leider stark gegenüber Pflanzen, die irgendwo frei im Garten wachsen. Besonders betroffen sind heiße Südfassaden, Ursache ist vermutlich ein Schwäche-Zustand der Pflanzen wie hier beschrieben. Ein Dachüberstand verstärkt das Problem, denn es findet dann keine Benetzung mehr mit Regen oder Tauwasser statt, was wiederum für die Blätter dringend nötig wäre, denn Wasser stört und zerstört das ausgebildete Pilz-Myzel, sowohl mechanisch als auch osmotisch.
Durch die Wahl halbwegs resistenter Sorten lässt sich gegensteuern, gerade bei Weinreben (Vitis) und Rosen. Bei ausbleibendem Regen kann es sinnvoll sein, die Fassadenbegrünung mit Wasser zu besprühen, um das Pilz-Myzel zu schädigen, zumindest in einem frühen Stadium des Befalls.
Auch andere Blattkrankheiten kommen vor, sind aber eher ein ästhetisches Problem denn ein existentielles. Aber es sieht schon schlimm aus, wenn eine Kletterrose aufgrund von Befall mit “Sternrußtau” und “Rosenrost” im Spätsommer kaum noch Blätter hat!
Dort, wo “Gesundes Laub” auf der Agenda ganz oben steht, lassen sich Blattkrankheiten weitgehend ausschließen. Es gibt viele Kletterpflanzen wie z. B. die Glyzinien (Wisteria), die meisten der roten Zierweine (Parthenocissus) und die “Traubenfreie Wildrebe”, die sehr robust sind und stets vitale Blätter ohne Krankheiten haben, solange die Wasserversorgung stimmt.
Auch tierische Schädlinge können auftreten, z. B. Blattläuse an Rosen und an einigen Arten von Geißblatt (Lonicera). Grund ist auch hier wohl meist ein Schwächezustand der Pflanze, verursacht durch heiße Wände in Verbindung mit Wassermangel. Hier muss entsprechend vorgebeugt werden, durch an den Standort angepasste Pflanzen und richtiges Wässern.
Ja, “Vergreisung” gibt es auch im Pflanzenreich! Während Kletterpflanzen in der Jugend oft ungestüm wachsen, stellt sich später ein Gleichgewicht abhängig vom verfügbaren Wasser ein. Die Pflanze spürt, dass die Wasservorräte im Boden begrenzt sind oder sie spürt, dass nur sporadisch gegossen wird und bildet dann nur noch jene Mengen an Grünmasse, die sie auch dauerhaft mit Wasser versorgen kann. Die neuen Triebe werden dann entsprechend kürzer, in späteren Jahren erfolgt oft gar kein nennenswertes Triebwachstum mehr. Es bilden sich dann nur noch Kurztriebe mit 0,5 - 1 cm Länge, an denen die neuen Blätter wachsen. Diese Kurztriebe bauen sich über Jahre und Jahrzehnte übereinander auf, und jeder Übergang von einem Jahr zum anderen führt zu einer neuen, zusätzlichen Verdickung und Einschränkung in den Kapillaren, die Wasserdurchlässigkeit sinkt und die Versorgung der Blätter wird schwieriger.
Vergreisung an sich ist bei Fassadenpflanzen kein schlimmes Problem, eine solche Begrünung kann noch jahrelang vital erscheinen. Vergreisung kann aber zum schnellen Tode führen, wenn ein heißer, trockener Sommer kommt! Als Vorbeugung empfiehlt sich ein drastischer Verjüngungsschnitt, er kann Wunder wirken und einen neuen Lebens-Zyklus von Jahrzehnten einläuten. Auch eine Absturzsicherung kann dann nachträglich noch installiert werden wie bei diesem Referenzobjekt gezeigt.
Kletterpflanzen habe eine unterschiedliche Lebenserwartung. Wer auf Nachhaltigkeit setzt, sollte Gattungen wählen, die über 50 Jahre alt werden. Dazu gehören eigentlich alle verholzenden Kletterpflanzen, außer die Geißblätter (Lonicera), welche oft nur 20 Jahre schaffen. Gerade bei großen Begrünungen aber ist eine lange Lebenszeit wichtig!
Ziemlich oft sterben Kletterpflanzen infolge Vergreisung siehe Text zuvor. Kommt ein trockenes Jahr, schafft es die Pflanze durch die vielen Fließ-Hindernisse dann nicht mehr, ihre Blätter ausreichend zu versorgen, und so sterben große Bereich oder auch die ganze Pflanze ab. Wenn nicht zuvor ein Verjüngungs-Schnitt erfolgt!
Auch ein nicht sofort erkannter Ausfall einer Bewässerungsanlage kann schnell zum Tod einer Fassadenbegrünung führen. Sehr große, alte Pflanzen wiederum sind stark auf einen gleichbleibenden Wasserhaushalt im Boden angewiesen, und kommt es hier, gerade in Dürre-Jahren, zu Veränderungen, führt das schnell zu einer existentiellen Krise. In solchen Fällen müsste dann stets zusätzlich gegossen werden.
Manche Pflanzen im Straßenraum sterben wohl auch infolge von Hunde-Urin. Eigentlich ist es bei Hundehaltern üblich, dass sie ihre Vierbeiner aus Rücksicht nicht an Hauswände, Autoreifen usw. pinkeln lassen. Im Einzelfall, vor allem bei nicht angeleinten Hunden kann es aber vorkommen, dass Hunde auf die Pflanzscheibe einer Kletterpflanze urinieren, und hat dies einmal stattgefunden, folgen andere Hunde nach, riechen an der “Markierung” und hinterlassen ihren eigenen Urin. Im extremen Fall kann dies zum Verkümmern einer Kletterpflanze führen.
Ins Erdreich gesetzte Kletterpflanzen sind in der Sockelzone eines Gebäudes anfällig für Beschädigungen. Schutzgitter helfen hier, gegen mutwillige Zerstörung aber sind sie machtlos. Es gab Fälle, wo Kletterpflanzen an einem Objekt mehrfach abgeschnitten oder herausgerissen wurden. Solcherart Vandalismus kann Ursachen haben, die ggf. im Vorfeld einer Begrünung erkennbar sind. So dienen z. B. bestimmte Straßen als Heimkehr-Schneisen für betrunkene Nachtschwärmer, die dann Zerstörungen anrichten. Bei begrünten Lokalen, die von einer bestimmten Klientel besucht werden, können rivalisierende Gangs oder Fußball-Fans mutwillig Schaden anrichten. Oder auch Gentrifizierungs-Gegner, die jegliche Aufwertung ihres Stadtteiles verhindern wollen, um den Anstieg der Kaltmieten im Kiez zu begrenzen.
Nur sehr wenige Kletterpflanzen sind so durchsetzungsstark, dass sie von Anfang an mit Stauden oder auch Unkraut gemeinsam in einer Pflanzgrube gedeihen. Clematis vitalba und auch viele “Rote Zierweine” zählen zu diesen robusten Pflanzen. Die meisten anderen aber brauchen in den ersten Jahren ihre Pflanzgrube ganz für sich allein, um einen ausreichenden Wurzelballen zu bilden.
Eine Gefahr besteht auch durch “Fremdbewuchs”, wenn z. B. Samen einer anderen Kletterpflanze angeweht werden und dann schnell und kräftig wachsen, z. B. an begrünten Straßenmasten. Der bekannteste Kandidat ist hier wiederum Clematis vitalba. Diese Art ist so durchsetzungsstark, dass sie schnell die Pflanzgrube “übernimmt” und die andere Kletterpflanze womöglich verdrängt. Ihr Erscheinen muss erkannt und durch Ausreißen bekämpft werden!
Es gibt quasi verschiedene “Gewichtsklassen” von Rankhilfen, mit zunehmender Schwere und Robustheit steigt natürlich der Preis. Rankhilfen werden deshalb oft genau passend zu einer z. B. nur mittelstarken Kletterpflanze gewählt und an der Fassade befestigt. Kommt es dann zum Ausfall solch einer Pflanze, herrscht oft Verunsicherung darüber, was das eigentlich für eine botanische Art war und was genau nachgepflanzt werden muss. Wird die Verantwortung hier an inkompetentes Personal übertragen, so nach dem Motto “Pflanz doch bitte dort mal eine gute Kletterpflanze nach!”, werden oft sehr kräftige Pflanzen wie Glyzinen (Wisteria) oder Schlingknöterich (Fallopia / Polygonum) gewählt, für die die Rankhilfe aber nicht ausgelegt war. Dann sind Bauschäden an der Rankhilfe oder am Gebäude vorprogrammiert, bis hin zum Absturz der Begrünung. Es lohnt sich also, hier im Vorfeld den Bewuchs zu dokumentieren, solange er gesund und prächtig ist, z. B. durch Fotos.
Kennen Sie das? Plötzlich macht eine Pflanze im Garten komische Sachen: Sie wächst viel kräftiger, hat anders geformte Blätter und andersfarbige Blüten. Wenn das eintritt, war es eine gepfropfte, veredelte Pflanze, und die Veredelungs-Unterlage hat jetzt “durchgeschlagen”. In den meisten Fällen wachsen dann beide Pflanzen noch eine Zeitlang parallel, oft mehrere Jahre, bis die kräftigere Unterlagen-Pflanze die andere komplett verdrängt. Es heißt dann, die Veredelungs-Unterlage hat “sich frei gemacht”, hat das ihr aufgepfropfte Edelreis abgestoßen.
Wir hatten Kunden, die viele Jahre bei einer von uns gekauften Weinrebe auf Trauben warteten, aber nie kamen welche. Die Untersuchung ergab schließlich, dass die Veredelungs-Unterlage sich “freigemacht” hatte und die eigentliche Weinsorte verdrängt hatte. Die Kunden nahmen es mit Humor, hatten jetzt quasi eine “Traubenfreie Wildrebe”, denn solche Veredelungs-Unterlagen bilden oft nur kleine oder gar keine Beeren. Aber die Pflanze war wüchsig und gesund, sie durfte bleiben und weiter wachsen.
Der Einsatz von Veredelungen in der Fassadenbegrünung ist also mit Risiken behaftet. Vor allem da, wo Begrünungen besonders nachhaltig sein sollen, also länger als 25 Jahre Bestand haben sollen, sind unveredelte, “wurzelechte” Pflanzen mitunter die bessere Wahl.
In einer Fassadenbegrünung wohnen Spinnen, gern nisten darin auch Stadttauben und selbst Mäuse oder ein Waschbär können dort herumklettern. Mehr Infos dazu bietet die Seite “Tierschutz”.
Der Fairness halber sollte auch dieses Problem benannt werden. Natürlich, eine Fassadenbegrünung wirft genauso wie ein Straßenbaum im Herbst ihr Laub ab, wenn es keine wintergrüne Pflanze wie Efeu ist. Bei Regen kann das Laub einen rutschigen Belag auf dem Fußweg bilden, der dann ja nach regionaler Festlegung vom Grundstückseigentümer (auf dessen Kosten) oder von einem kommunalen Dienstleister zu entfernen ist. Aber auch zu anderen Jahreszeiten wird Pflanzenmaterial auf den Boden geworfen, je nach Pflanzen-Art. Das kann lästig werden und zusätzliche Pflege, also zusätzliche Hausmeister-Stunden erfordern. Vor allem betrifft das Blüten-Pflanzen wie Kletterrosen, Klettertrompeten (Campsis) und auch Glyzinien (Wisteria).
Manche Glyzinien bilden große Mengen schotenförmiger Samen, die dann im zeitigen Frühjahr herunterfallen und über einen gewissen Zeitraum hinweg täglich aufgekehrt werden müssen, falls hohe Ansprüche an die Sauberkeit des Fußweges bestehen, zum Beispiel im Eingangsbereich eines Hotels. Eine Lösung ist hier die Wahl der richtigen Sorte: Die Wisteria-Leitsorte “Prolific” bildet dankenswerterweise eher wenig Samen-Schoten, “Blue Dream” und “Domino” hingegen ziemlich viele.
Das passiert bei sehr alten Begrünungen mit Efeu (Hedera helix), aber auch dann, wenn eine Fassadenbegrünung nahe an Fenster herangeführt wird. Und / oder dann, wenn bei der Rankhilfe große Wandabstände gewählt werden, also z. B. mehr als 10 cm. Der freie Blick aus Fenstern ist dann tatsächlich eingeschränkt, genauso wie in jenen Fällen, wo ein altes Haus nachträglich von außen mit 14 cm Styropor gedämmt wird. Das sollte also bedacht werden!
Mitunter erscheinen die in einem Angebot veranschlagten Kosten für eine Fassadenbegrünung als viel zu hoch. Das jedoch lässt sich ändern! Meist besteht hier ein beachtlicher Spielraum, der folgende Punkte umfasst:
Über diese Parameter lässt sich der Preis oft deutlich nach unten korrigieren. Auch die Übernahme von Eigenleistungen, z. B. beim Anzeichnen der Bohrpunkte oder bei der Anwuchspflege der Pflanzen hilft Geld zu sparen. Der Verzicht auf eine automatische Bewässerung ebenfalls, aber dieser Schritt sollte gut überlegt sein: Ist regelmäßiges manuelles Wässern überhaupt möglich?
Bei den Pflegekosten kann es z. B. eine Hilfe sein, wenn Mieter eines Wohngebäudes ihre Fensteröffnungen “übernehmen” und selbst frei schneiden, falls da - vor allem bei selbstkletternden Pflanzen wie Efeu - regelmäßig geschnitten werden muss. Durch gute Abstimmung von Rankhilfe und Pflanze wiederum kann ein Schnitt bei den Fensteröffnungen sogar ganz entfallen. Und überhaupt: Der teure Schnitt sollte so selten wie gerade nötig stattfinden, ggf. nur einmal aller zwei Jahre oder bei Pfeifenwinden (Aristolochia) z. B. nur aller ca. 5 Jahre.
Die folgende Bildsammlung verdeutlicht all die oben geschilderten Probleme und Risiken einer bodengebundenen Fassadenbegrünung.