Fassaden lassen sich auch mit Blumenkästen begrünen. Oder zumindest verzieren, mit dauerblühenden Pflanzen von Mai bis Oktober. Das ist vielleicht etwas “altbacken”, aber auch an modernen Gebäuden wirksam. Besonders prädestiniert sind Häuser, wo die Kästen zentral und somit effektiv bewirtschaftet werden, also Hotels, Ferien-Domizile, Pflegeheime, Rathäuser usw..
Fast immer sind es “Geranien” (Pelargonium), die sich auf Fensterbänken finden. Sie blühen über Monate und sind extrem robust, vertragen also auch mal wenig Wasser. Schon vor über 100 Jahren waren sie der Renner bei der Verschönerung von Fassaden! Ihre Strahlkraft und die damit verbundene Fern-Wirkung sind unglaublich. Aber niemand kann alles bieten, und so ist das Hauptproblem der Geranie, dass sie in unseren Breiten nur einjährig ist und sich schwer überwintern lässt. Im Normalfall werden alle Kästen im Frühjahr deshalb neu bepflanzt.
Die Stadt Haar in Bayern hat 2019 mit Bürgerentscheid und großem Tamtam ihre Geranien am Rathaus abgeschafft und durch insektenfreundliche Wildblumen ersetzt. Das hat nicht funktioniert, die Pflanzen sind eingegangen, leider, die Blumenkästen waren “sowohl zu nass als auch zu trocken”. Vielleicht - soviel zur Ehrenrettung der Haarer Bürger - hat auch der Hausmeister das Vorhaben sabotiert. Jedenfalls ist man reumütig zu den pflegeleichten Geranien zurückgekehrt!

Schon vor über 100 Jahren waren Geranien (Pelargonien) bei Arm und Reich als Fensterschmuck beliebt. Ein sorbisches Haus in Lauba bei Löbau / Sachsen, © Deutsche Fotothek / Hans Wunderlich
Wenn eine Bepflanzung besonders lang nach unten wachsen soll, führt an den hängend wachsenden Arten und Hybriden der Gruppe “Plectranthus” kein Weg vorbei. So vielfältig wie die lateinischen Bezeichnungen (Plectranthus glabratus bzw. Plectranthus coleoides ‘Varigatus’ oder Plectranthus forsteri) sind auch die deutschen Namen. Für die Fassadenbegrünung passt besonders “Harfenstrauch”, denn die vielen, fast parallel herunter hängenden Triebe gleichen tatsächlich den senkrecht gespannten Saiten einer Harfe. Weitere Namen sind “Weihrauch”, “Elfengold” oder “Mottenkönig”, denn mit ihrem leicht würzigen Geruch vertreiben diese Pflanzen sogar Insekten wie z. B. Motten und Mücken und sind deshalb vor Fenstern besonders wertvoll. Die etwas steifen, strauchigen Hängetriebe wachsen in einer Saison bis 1,5 m, mitunter sogar bis 2 m. Die Triebe bilden eine Art lockere “Matte” und werden deshalb nicht gleich vom Wind verfitzt wie der Silberregen (Dichondra). Manchmal gibt es Blüten, sie spielen aber im Außenbereich an der Wand kaum eine Rolle.
Plectranthus lässt sich vorzüglich mit allen drei Typen von Geranien siehe oben kombinieren, er wächst deutlich länger als die “Hängegeranien” (Pelargonium peltatum).

Pflanzkästen mit Harfenstrauch (Plectranthus) an einem Gebäude in Taucha / Sachsen
Welche weiteren Pflanzen gibt es? Petunien (Petunia) sind extrem blühstark und ergänzen die Farbpalette der Geranien, vor allem durch lilablaue Sorten. Auch hier gibt es aufrecht wachsende und hängende Typen, sogenannte “Hängepetunien”. Ähnliches gilt für Dipladenien (Dipladenia) und Fuchsien (Fuchsia). Für Gelbtöne gibt es z. B. “Zweizahn” bzw. Goldmarie (Bidens ferulifolia), für Blautöne eine starkwüchsige Fächerblumen-Sorte (Scaevola aemula ‘Blue Wonder’ oder ähnlich). Letztere sollten separat im Kasten gepflanzt werden, da sie ein leicht saures Milieu bevorzugen. Sie sind pflegearm und “putzen” sich selbst. Blütenpracht für schattige Lagen liefern wiederum Begonien (Begonia).
Ein Kontrapunkt zu all den vielen Farben ist die blattbetonte Süßkartoffel (Ipomoea batatas) mit ihren hellgrünen Blättern. Es gibt auch eine dunkle Variante, die “Purpur-Süßkartoffel”. Der “Silberregen” (Dichondra argentea) wiederum ist graziler, kommt aber gut mit wenig Wasser aus. Seine Triebe verfitzen sich durch den Wind schnell zu langen “Bärten”. All diese Spezies sind jedenfalls “Sommerpflanzen” und quasi einjährig.
Sehr oft werden strauchig wachsende und Hängepflanzen kombiniert. Im Idealfall, also für "viel Masse” sind die Kästen dann breiter und werden zweireihig bepflanzt, in der äußeren, vorderen Reihe die Hängepflanzen und dahinter die anderen. Überhaupt, die Bestückung der Kästen ist eine Kunst, erfordert viel Erfahrung und sollte, wenn Erfolgsdruck besteht, einem Profi-Gärtner überlassen werden.
Eher unüblich, aber trotzdem möglich ist auch eine ganzjährige Bepflanzung mit Hängepflanzen wie Cotoneaster, Euonymus und Winterjasmin. An windgeschützten, nicht zu warmen Standorten kommt sogar Efeu infrage. Auf bunte Blüten muss dann aber verzichtet werden.
Werden Geranien und Petunien kombiniert, sollten letztere ggf. wegen ihrer erdrückenden Blütenfülle in kleinerer Zahl gesetzt werden, wenn ein ausgewogenes Erscheinungsbild gewünscht wird.

Blumenkunst: Ein meisterhaft abgestimmter Mix verschiedener Pflanzen an einem Brunnen in Überlingen / Baden-Württemberg
Blumenkästen lassen sich auch mit Fassadenbegrünung kombinieren! Und zwar sowohl mit einer Teilbegrünung als auch mit einer Vollbegrünung. Diese bildet dann meist den einfarbigen, grünen Teppich, auf dem die Blumenkästen Farbtupfer setzen. Wenn der “grüne Teppich” z. B. aus Wildem Wein (Parthenocissus) oder Efeu (Hedera) besteht und damit bienenfreundlich ist, lassen sich auch weniger insektenfreundliche Pflanzen in den Blumenkästen tolerieren, weil sozusagen die ökologische Gesamtbilanz stimmt.

Blumenkästen mit Hängegeranien (Pelargonium peltatum) über einer Fassadenbegrünung mit Glyzinien (Wisteria sinensis) und Akebie. Letzte wurde leider im Zuge einer Sanierung entfernt. Rathaus Lichtenfels / Bayern, 2008
Kleine Lösungen sind bei der Gestaltung mit Blumenkästen meist nicht überzeugend, denn ein einzelner Pflanzkasten auf einer Wand wirkt oft verloren. Deshalb sollten möglichst mehrere Fenster bestückt werden, z. B. alle Fenster einer Haus-Etage. Für ein einheitliches Erscheinungsbild ist es oft sogar sinnvoll, schlichtweg alle Fenster einer Fassade durchgängig mit Blumenkästen zu bestücken, nach dem Motto “Jedem Fenster seinen Kasten”.
Blumenkästen sind heute zumeist aus Kunststoff, oft aber auch aus Zinkblech, Edelstahl oder aus besonderen Hölzern. Hinzu kommen ausgeklügelte Konstruktionen zur Wasserspeicherung und Düngung bis hin zu automatisierten Begrünungssystemen.
Meist werden Blumenkästen auf eine vorhandene Fensterbank gestellt. Ist keine vorhanden, werden an die Außenwand Holme gesetzt (eingemauert), Konsolen geschraubt oder auch kombinierte Schutz-/Haltegitter.
Bei Sturm können Pflanzkästen fortgerissen werden, besonders dann, wenn sie ausgetrocknet und entsprechend leicht sind. Verschiedene Vorrichtungen helfen, dies zu verhindern: auf die Wand geschraubte, waagerechte Schutzstangen, Schutzbretter oder massive Schutzgitter.