Die Schweiz ist als Beobachtungsobjekt bezüglich Fassadenbegrünung interessant, weil es dort viele rauhe, bergige Lagen gibt. Hier konnten schon früher Pflanzen aus unserer “Frost-Kollektion” punkten. An dieser Seite wird derzeit gearbeitet.
Mangels Kriegseinwirkung kann die Schweiz sich über unzerstörte Bildsammlungen in ihren Archiven freuen. Demzufolge gibt es hier hunderte, wenn nicht tausende Bilder in den historischen Techniken (Federzeichnung, Lithografie usw.) von Häusern und Ortschaften aus der frühen Zeit ab ca. 1800. Es gibt Abbildungen begrünter Häuser, aber auch viele Dastellungen unbegrünter Häuser. Efeu kam hin und wieder vor, z. B. an Burgen und Schlössern. Insgesamt aber fällt auf, dass eigentlich nur Weinreben verwendet wurden, also wider Erwarten auch kein Spalierobst, weder niedrige Kandelaber-Formen wie an den Mauern von Schloß Versailles / Frankreich oder große, an Holzspalieren formierte Bäume. Letztere finden sich eigentlich erst auf Fotografien ab ca. 1900. Es scheint, als wäre mit ihnen die Fassadenbegrünung auch in höhere Lagen der Schweiz gewandert, wo vorher nur Blumentöpfe auf Fensterbrettern standen. Um 1900 finden sich dann plötzlich viele Begrünungen mit Jungfernrebe (vermutlich immer Parthenocissus quinqefolia, eventuell auch Parthenocissus inserta oder ‘Engelmannii’), vermutlich als Ersatz alter Weinspaliere oder als Pionier-Begrünung in vormals unbegrünten Höhenlagen. Mitunter sind andere Pflanzen wie Glyzinien und Rosen nachweisbar.
Meist wurden Holzspaliere in klassischer Bauweise verwendet, selten auch andere Formen. Mitunter wurden Weinreben an Wänden auch mit waagerechten Drähten kultiviert, so wie es eher in Frankreich üblich war.
Hier ist Schwellbrunn auf ca. 970 m ü. NN die höchstgelegene Gemeinde des Kantons, selbst dort gab es einige Begrünungen an Fassaden.
Für den Kanton Bern sind viele Fassadenbegrünungen überliefert. Hervorzuheben ist die “Sammlung sämmtlicher Land-Pfarreyen des Cantons Bern” von Jakob Samuel Weibel aus der Zeit um 1825, aus der hier nur einige Motive zu sehen sind. Die Sammlung enthält weitere rund 40 Bilder begrünter Pfarrhäuser, oft sind die Pflanzen als “Weinreben” identifizierbar. Am “Kurhaus Rosenlaui” gab es vermutlich die höchstgelegenen Wandbegrünungen der Schweiz auf über 1.300m Höhe.
In diesem Kanton gab es Begrünungen auf ca. 1.000 m Höhe über dem Meeresspiegel (NN), z. B. mit Aprikose (Prunus).
Auch im Kanton “Jura” gab es Spalierobst auf 1.000 Metern Höhe ü. NN! Verwunderlich ist, dass dort auch und gerade Aprikosen (Marillen) kultiviert wurden wie in Glarus. Vielleicht zum Selber-Brennen von Aprikosen-Schnaps?
Im Tessin sind viele historische Fassadenbegrünungen mit Traubenwein nachweisbar und auch heute noch üblich. Beindruckend ist, dass hier sogar Zitrusfrüchte wie Orangen an Fassaden gezogen wurden.