Fassadengruen
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Begrünung in Regalbauweise

Dieses Konzept steht zwischen der klassischen, bodengebundenen Begrünung und den “Living Walls”. Für die Aufstellung von Pflanzkübeln benötigt es “Laubengänge”, Balkone oder Plattformen am Gebäude.

Ein bekanntes Vorzeige-Projekt: Die "Calwer Passage" im Zentrum von Stuttgart / Baden-Württemberg
Ein bekanntes Vorzeige-Projekt: Die "Calwer Passage" im Zentrum von Stuttgart / Baden-Württemberg

Wo finden sich solche Begrünungen und was kosten sie?

“Regalsysteme” erfüllen hohe ökologische Ansprüche in verdichteten Bereichen. Das Konzept eignet sich für repräsentative Gebäude, für Innenstadt-Lagen, Firmensitze oder auch schlichtweg dort, wo ein grüner Sichtschutz gewünscht wird. Die Investitionskosten können bei 450 bis weit über 1.000 Euro pro Quadratmeter begrünter Fläche liegen (Stand 2020).

Das Pilotprojekt "Calwer Passage" in Stuttgart

Vom Bauherrn “Ferdinand Piëch Holding GmbH” und dem Architekten Christoph Ingenhoven als Leuchtturm-Projekt geplant, hat diese mehrere Millionen Euro teure Grünfassade so ziemlich alle Erwartungen übertroffen. In der Vorbereitung wurde auch nichts dem Zufall überlassen! Für alle vier Himmelsrichtungen wurden Pflanzen an Musterwänden erprobt.


In dieser Fotogalerie wird versucht, die vielen am Pilotprojekt eingesetzten Pflanzen in ihrer gestalterischen Wirkung zu zeigen. Wenn nichts Anderes vermerkt ist, wurden die Fotos Anfang April 2024 gemacht.

Die "Calwer Passage" mit langen, überhängenden Pflanzentrieben zur Herbstzeit, vor dem Schnitt (Ende Oktober 2023) in Stuttgart / Baden-WürttembergDie "Calwer Passage" mit langen Trieben (Zierwein 'Inserta' - Parthenocissus inserta) Ende Oktober 2023 in Stuttgart / Baden-WürttembergDieselbe Stelle wie auf dem Foto zuvor, aber jetzt nach dem Schnitt der Pflanzentriebe im Frühling (Aprill 2024). "Calwer Passage" in Stuttgart / Baden-WürttembergDie "Calwer Passage" mit neuem Austrieb zur Frühlingszeit (April) im Zentrum von Stuttgart / Baden-WürttembergDie "Callwer Passage" im Frühjahr 2024 in Stuttgart / Baden-WürttembergCallwer Passage: Hier ist der technische Aufbau der "Regalbretter" gut sichtbar: Reihen von Pflanztrögen und Gitterbleche zum Entlanglaufen.  Rechts ist u. a. Efeu (Hedera helix) zu sehen. Stuttgart / Baden-WürttembergDiese Begrünung lebt vom Zusammenspiel verschiedenster Pflanzen. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergVon links unten nach rechts: Cotoneaster 'Coral Beauty', Lonicera henryii, Parthenocissus inserta, Lonicera henryii. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergCotoneaster 'Coral Beauty' an der Calwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergHier wird der überhängende Bewuchs hauptsächlich von Kriechmispeln erzeugt, vermutlich der Sorte 'Skogholm'. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergNach dem Schnitt im Frühling sind folgende Hängepflanzen erkennbar: Oben links Clematis alpina (frisches Hellgrün), rechts mit dunkelgrünen Blättern Efeu (Hedera helix), darin einige hellere Triebe von Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergNeues Grün im zeitigen Frühjahr: Links unten Clematis alpina, Bildmitte Zierwein "Inserta" (Parthenocissus inserta), rechts oben Schlingknöterich (Polygonum aubertii), rechts unten Vinca major. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergLinks oben Hedera helix, Mitte oben 2 Rankseile mit Parthenocissus inserta, rechts daneben eine Clematis, Mitte unten Jasminum nudiflorum, rechts oben Vinca major. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergBildmitte Clematis alpina, rechts oben Vinca major, rechts unten Cotoneaster 'Coral Beauty' mit roten Beeren. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergLinks: Parthenocissus inserta, Mitte: Lonicera henryii, rechts: Cotoneaster. Callwer Passage in Stuttgart / Baden-WürttembergDie Niedrige Purpurbeere (Symphoricarpos chenaultii „Hancock“) an der Callwer Passage in Stuttgart / Baden-Württemberg

Pflanzen für Begrünungen in Regalbauweise

Wünschenswert sind hier natürlich wintergrüne Pflanzen, aber sommergrüne Arten sind oft schöner. Mit einer Mischung aus beiden lassen sich tolle Effekte erzielen. Arten mit schwachem bis mittelstarkem Wuchs sind zu bevorzugen, weil dann der Pflegeaufwand (Schnitt) begrenzt ist. Unübersichtlichen Fitze und Knäuel sollen nicht entstehen! Auch Arten wie Hopfen, die viel abgestorbene Pflanzentriebe erzeugen sind eher zu meiden, denn sie bilden “Totholz” und werden dann womöglich zu einer “Brandlast”. Insgesamt ist die Kultur im Kübel eine Herausforderung, nicht alle Pflanzen mögen das.


Kombination mit Pflanzen, die im Erdboden wachsen

Begrünung in “Regalbauweise” lässt sich mit der klassischen, bodengebundenen Begrünung kombinieren! Auch wenn dieser Weg am oben genannten Pilotprojekt nicht gegangen wurde… Die Begrünungs-"Grundlast" kann über unten im Erdboden wachsende Pflanzen kommen, ggf. auch mit der Aussicht, mehrere Jahre auf den Erfolg und die gewünschten Begrünungs-Höhen warten zu können. Die “Regal”-Begrünung ist sofort, also schon im ersten Jahr sichtbar, verdichtet schließlich das Erscheinungsbild und setzt zusätzliche Akzente wie Blüten usw..


Pro und Contra "Automatische Bewässerung"

Eine automatische Bewässerung, am besten mit Düngung, ist teuer, aber nachhaltig, denn solange sie funktioniert, sind die Pflanzen grün und vital. Die Kosten dafür sind entsprechend hoch. Bei großen Grün-Flächen wiederum ist die Bewässerungsanlage deutlich wirtschaftlicher, wenn ihr Preis auf die Anzahl der Quadratmeter umgerechnet wird. So eine Anlage muss natürlich auch gewartet werden, damit die Leitungen nicht verkalken, damit auch im Winter eine Befeuchtung stattfindet usw.. Aber man muss es klar sagen: Automatische Bewässerung ist die beste Lösung!

Andere Beispiele für Begrünungen in Regalbauweise

Begrünung in Regalbauweise...  Mit Rosen. Gesehen in Ulm / Baden-WürttembergDie "Hängenden Gärten" von 2003 markieren den Anfang der Begrünungen in Regalbauweise. Das damals "Dichte Grün im kahlen Gründerzeit-Viertel" ist teilweise immer noch erkennbar. Wiedner Hauptstraße 135 in Wien / Österreich, 2026Fassadenbegrünung mit vielen verschiedenen Kletterpflanzen, Gneisenaustraße 103 in Berlin, 2026Eine der frühen Begrünungen in "Regalbauweise" von 2015 und immer noch in ziemlich gutem Zustand: Grabnergasse 4 - 6 in Wien / Österreich, 2026Hier könnten noch mehr hängend wachsende Pflanzen eingesetzt werden, um die Grün-Fülle zu steigern. Lietzenburger Straße 76 in Berlin, 2026Fassadenbegrünung am Möbelhaus "IKEA", Europaplatz 1 in Wien / Österreich, 2026Begrünungen in "Regalbauweise" an der sonnenabgewandten Nordwestseite am Möbelhaus "IKEA", Europaplatz 1 in Wien / Österreich, 2026Eine andgebundene Begrünung in "Regalbauweise" (große Pflanzkübel) an einem Hochhaus, Krieaupromenade 4 in Wien / ÖsterreichHier sind die Pflanzkübel bereis in die Architektur intergriert und mit Akebie (Aklebia quinata), Zierwein 'Kolomikta' (Actinidia kolomikta) und Schisandra bepflanzt: Kirchheim unter Teck / Baden-WürttembergAuch Regenwasser lässt sich (zusätzlich) für die Bewässerung nutzen! Akebie (Akebia quinata) und Schisandra zusammen in einem Pflanzkübel. Kirchheim unter Teck / Baden-WürttembergAkebien (Akebia quinata) im großen Pflanzkübel, Kirchheim unter Teck / Baden-WürttembergZierwein / Zierkiwi "Kolomikta" (Actinidia kolomikta), Kirchheim unter Teck / Baden-WürttembergBegrünung von Laubengängen in einer unterbrochenen Regal-Bauweise, Rankmaterial von FassadenGrün, Dresden / SachsenDrei Monate später ist der Bewuchs schon deutlich auf den Rankfeldern zu sehen. Dresden / SachsenHier wurden als Rankhilfen senkrechte Seile gespannt und waagerechte Stäbe aufgeklemmt (Rankmaterial von FassadenGrün). Dresden / SachsenBefestigung der Ranknetze in den Zugzonen (oben) und Druckzonen (unten) der Betondecken, Dresden /SachsenKombination von bodengebundener Begrünung und Töpfen auf den "Regalbrettern", Rankmaterial stammt von "FassadenGrün", Nürnberg / BayernBefestigung der Rankseile / Netze außen an den Geschoßdecken, Nürnberg / BayernIn Ermangelung von Laubengängen oder Balkonen wurden hier zusätzliche Plattformen für die Kübel auf die Fassade geschraubt. Nach oben wachsen Akebien (Akebia quinata), nach unten hängt Efeu (Hedera helix). Mannheim / Baden-WürttembergÜber der Tür ist ein Eckventil für die Bewässerung zu sehen. Auch ein waagerechter Kanal für eine Elektroleitung wurde verlegt. Mannheim / Baden-WürttembergZu jedem Topf wurde auch eine Beleuchtung installiert (grauer Strahler). Pflanzen und Rankmaterial stammen von "FassadenGrün". Mannheim / Baden-WürttembergEine Konstruktion mit einem Baugerüst schafft einen Raumteiler, der etagenweise mit Efeu (Hedera helix) begrünt wurde. Automatische Bewässerung, Stuttgart / Baden-WürttembergEin einzelnes "Regalbrett" mit mehreren Pflanzkübeln und Rankseilen auf Dämmung, Rankmaterial von Fassadengrün, Mannheim / Baden-WürttembergDie Vitalität von Pflanzen im Kübel ist trotz Bewässerung oft deutlich geringer als die von Pflanzen mit Verbindung zum Erdreich, wie hier zu sehen ist. Mit ausreichend Dünger lässt sich gegensteuern. Elsterlofts Leipzig / SachsenAuch mit Gräsern lässt sich ein Gebäude begrünen wie hier in Prag / TschechienManuelle Bewässerung: Ca. 5 Jahre hat diese Begrünung OHNE automatische Bewässerung überlebt, dann aber waren die Pflanzen leider irgendwann vertrocknet... Parkhaus mit Goldgeißblatt (Lonicera x tellmanniana) in Leipzig / Sachsen

Probleme und Risiken bei Begrünung in Regalbauweise

Begrünungen in “Regalbauweise” sehen oft simpel aus, sind aber ziemlich teuer, wie der Kostenvergleich zeigt. Nicht immer gelangen solche schön dargestellten Grünfassaden dann auch tatsächlich zur Ausführung, gerade in Zeiten extrem steigender Baukosten.

Diese Art Fassadenbegrünung basiert auf Kübeln bzw. Gefäßen, in denen die Pflanzen wachsen. Oder auch nicht wachsen, womit wie beim zweiten Problem wären: Es kommt vor, dass solche Begrünungen nach 1 - 2 Jahren noch nicht annähernd die gewünschte Blattmasse zeigen, die prognostiziert war.

Das 90 m hohe Wohnhaus namens "Grünblick im Viertel Zwei" wurde 2025 während der Baukrise offenbar gerade noch fertiggestellt, für die vollmundig versprochenen Begrünungen hat das Geld dann aber wohl nicht gereicht. Wien, 2026Bei diesem "Ökologischem Neubau" von 2020 in Wien wurde die Bepflanzung der vorbereiteten Tröge und Seile offenbar in die Hand der Nutzer gelegt, diese scheinen aber derzeit noch schwer mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. 2026Die vier Begrünungen mit Rankgittern rechts oben am "Wiener Stadtregal" von 2024 zeigen leider zwei Jahre später noch keinen nennenswerten Bewuchs. 2026Diese Wandbegrünung von 2023 leidet an zu wenig Üppigkeit, an Verkahlungen im unteren Stammbereich der Pflanzen und auch an bereits abgestorbenen Kletterpflanzen. 2026Das Wiener Objekt "Green Corner" von 2020 sollte mit Fassadenbegrünung der "Überhitzung im innerstädtischen Ballungsraum" etwas entgegensetzen, straßenseitig hat das aber bisher noch nicht durchschlagend geklappt. 2026Detail zum Objekt zuvor ("Green Corner" in Wien, 2020): Der hellgrüne Parthenocissus tricuspidata unten links bleibt unterentwickelt, die senkrechten Wisterien waren schon einmal höher und retardieren. 2026Die Kletterpflanzen an der heißen Südseite dieses 2021 eröffneten Wiener Möbelhauses sahen schon einmal besser aus und überlegen jetzt, ob Weiterleben noch eine gute Option ist. 2026Hier, am preisgekrönten Wiener Objekt "Garden State" von 2017 zeigt die aus dem Erdboden kommende Weinrebe (Vitis) den Kübelpflanzen, wie sie wachsen sollen, diese aber begreifen es nicht und stagnieren. 2026Auch hier gab es wahrscheinlich ein Problem mit der Wasserversorgung, Berlin, 2026Diese Begrünung von 2006 sollte per Rankhilfe vier Stockwerke hoch werden, an einigen Stellen wurde das von den Glyzinien auch erreicht, inzwischen aber sind die Pflanzen gestorben.