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Romanik und Gotik ("Mittelalter", ca. 800 - 1500)

Ab dieser Zeit haben in Mitteleuropa zwei Kletterpflanzen dominiert: Efeu und Reben. Während Efeu ohne Einladung wuchs, war die Zucht von Weinreben am Haus eine bewusste Fassadenbegrünung. Durch die Römer im ersten Jahrtausend nach Christi eingeführt, gab es aber immer wieder Probleme mit dem Ausreifen der Beeren. Aber Wein musste her, vor allem als Messwein für den Kultus, jedoch auch als Tröster für Mühsal und Plage und - gebrannt - als Desinfektionsmittel und Narkotikum für die Medizin. Was sich aber in den Fässern fand, glich oft saurem Essig statt mundigem Wein. Denn den aus dem Süden stammenden Reben fehlte die Wärme, und die Mönche waren bemüht, besonders frühreifende Sorten zu züchten.

Reben an einer Klosterkirche aus dem 12. Jh., Zscheiplitz / Sachsen-Anhalt

Mauern als Wärmespender für Wein

Wurden Reben jedoch an eine schützende Klostermauer, Weinbergmauer oder Hauswand gesetzt, bekamen sie Wärme, reiften besser und wurden süßer und immer süßer! Klar, dass sich aus solchen Früchten (oder aus dem, was Kinder und Naschkatzen übrig ließen) alkoholreicher Wein keltern ließ. Bauwerksbegrünung wurde somit unter recht praktischen Gesichtspunkten betrieben...

Weinreben eignen sich daher immer, wenn Gebäude aus dem Mittelalter begrünt werden, denn überall, wo solche Bauten stehen, wurde quasi auch Weinbau betrieben. Es sind aber moderne, pilztolerante Rebsorten zu bevorzugen.

Reben an einem alten Weinberg-Häuschen, Freyburg / Sachsen-Anhalt
Altes Weinberg-Haus

Efeu als heimische Kletterpflanze

Ob dieser Efeu am mittelalterlicher Bergfried schon immer da war? Touristen fragen sich das nicht, sondern finden ihn einfach nur "schön". Efeu jedenfalls passt immer, wenn großflächige Begrünungen auf sehr altem Mauerwerk gewünscht sind.

Efeu, Schloss Kronach / Bayern
Begrünte Festung

Weitere historisch nachgewiesene Pflanzen

Auch Geißblatt und vor allem Rosen sind für diesen Zeitraum nachweisbar, allerdings nicht die heutigen, gezüchteten Sorten, sondern Wildrosen wie z. B. Rosa canina, die 1000-jährige Rose am Dom zu Hildesheim. Auch Spalierobst und Hopfen sind interessante Optionen. Andere Pflanzen können sehr passend aussehen, sind dann aber als Zugabe aus einer späteren Zeit als dem Mittelalter zu bewerten. Auch Vorbegrünungen kommen infrage.

Rose, Kloster Bernburg / Sachsen-Anhalt
Fenster aus dem Mittelalter mit Rose

Bildergalerie

Hier finden Sie weitere Beispiele von (wieder) begrünten Bauten aus dem Mittelalter. Bitte klicken Sie auf die Fotos.

1000-jährige Rose "Rosa canina", Dom Hildesheim / Niedersachsen
Rosa canina am Kreuzgang in Hildesheim / Niedersachsen
Moderne Rose, romanische Kirche in Halle-Böllberg/ Sachsen-Anhalt
Sockel-Begrünungen mit versch. Pflanzen, Bernburg / Sachsen-Anhalt
Neues Weinspalier, gotische Ruine in Bautzen / Sachsen
Weinreben als Busch, Romanische Dorfkirche Lüttchendorf / Sachsen-Anhalt
Spalierbirne, Kapelle von 1487/88 (Baumringdatierung), Ludwigsstadt / Bayern
Efeu, Kreuzgang am Dom Merseburg / Sachsen-Anhalt
Vorbegrünung, Sonnenblumen, St. Aegidien, Bernburg / Sachsen-Anhalt
Reben an Drähten, Sockel einer mittelaterlichen Wasserburg, Jessen / Sachsen-Anhalt
Kreuzgang mit Efeu im mittelalterlichen Dom von Merseburg / Sachsen-Anhalt
Frühgotisches Franziskanerkloster mit Glyzine, Saalfeld / Thüringen
Denkmalgeschützter Innenhof mit Rose an Stahlseilen, frühgotisches Franziskanerkloster in Saalfeld / Thüringen
Rebe am Weinhaus "Vinzenc Richter" in Meißen / Sachsen
Rosen in Lübeck / Schleswig-Holstein
Weinstock auf der Neuenburg, Freyburg an der Unstrut / Sachsen-Anhalt
Dieses Gebäude aus dem Spätmittelalter - ein bekanntes Fotomotiv - wurde nachträglich mit Blauregen begrünt. Markt von Meersburg am Bodensee / Baden-Württemberg
Glyzine mit Herbstlaub an einem ehemaligen Patrizierhaus aus dem 15. Jahrhundert, das offenbar erst später begrünt wurde. Lindenstraße 9 in Überlingen / Baden-Württemberg
Wilder Mauerwein (Jungfernrebe) und historische Blumenkästen am gotischen Rathaus von Quedlinburg / Sachen-Anhalt