Verglichen mit anderen Ländern gab es in Deutschland wohl relativ oft Fassadenbegrünung, zumindest sind viele Bilder überliefert. Eine eigene Sammlung wird dazu nach und nach von uns veröffentlicht. Es fällt aber auf, dass sich mancherorts Begrünungen häufen und anderswo kaum etwas zu finden ist. Wie kann das sein, welche Faktoren waren dafür prägend?
Begrünung fand im ländlichen Raum statt, also in Dörfern, Klöstern, Rittergütern, an Gasthöfen, Schulen und Pfarrhäusern, in landwirtschaftlich geprägten Vororten und Kleinstädten ("Ackerbürger"). In dicht bebauten, größeren Städten war Begrünung eher störend, außer auf breiten, sonnigen Plätzen wie dem Markt. Oder in den Höfen hinter der Straße: An ihren Werkstätten kultivierten Handwerker dort süße Weintrauben an Spalieren.
Ab ca. 1900 kamen viele Kletterpflanzen neu in den Handel, die Begrünung von Fassaden wurde vielfältiger. Ein großer Wandel ging damit einher, denn nicht nur Ertrag, sondern auch Blüten oder Blätter konnten nun das Leitbild einer Begrünung sein. Seit ca. 2010 wiederum ist das Klima-Problem zum Hauptmotiv neuer Begrünungen geworden. Selbst Lagerhallen, Industrie- und Bürobauten sollen in Deutschland jetzt großflächig grün werden. Hier ist dann Vieles ganz neu zu denken, ein Rückgriff auf Tradition und Erfahrung nur eingeschränkt möglich.
Und wie steht es mit dem Wunsch nach eigenem Spalierobst? Inzwischen hat sich auch da viel verändert. Obst ist jederzeit verfügbar und wird nicht mehr am Haus "gezüchtet", im ländlichen Raum gibt es kaum noch Weinspaliere. Autos haben die dichten Städte erobert, und eifrig wird dort versucht, Begrünung zu etablieren, um die Luft zu verbessern. Dabei geht es aber vor allem um Blattmasse, und dafür werden andere Pflanzen statt Weinreben genutzt.
Kletterpflanzen brauchen einen guten Standort. Der ist nicht in allen Regionen Deutschlands gegeben, mancherorts gibt es Einschränkungen, vor allem in höheren und küstennahen, windreichen Gebieten. Allgemein lässt sich aber sagen: In Regionen, in denen es früher essbaren "Wein am Haus" gab, sind ohne Bedenken alle der von FassadenGrün beschriebenen Pflanzen nutzbar! Der Nachweis historischer Weinspaliere in einer Region ist somit hilfreich für die heutige Pflanzenwahl.
Doch nicht nur Klimazonen sind entscheidend, sondern auch die Mentalität der Menschen. In bestens gelegenen, aber nüchtern geprägten Großstädten findet sich kilometerweit oft nicht eine Begrünung, ebenso in “gut gepflegten” Vorstadt-Siedlungen. Dann wiederum gibt es Kleinstädte, die auf Tourismus setzen und ihre Bauten verschönern - dort werden ganze Straßenzüge begrünt. Ein Beispiel sind die so genannten "Rosenstädte". Und manchmal ist es so, dass einer erst beginnen muss und bald ziehen die Nachbarn nach. Dann bekommt das Weinspalier vielleicht jene Wertschätzung, die es einst hatte: Stolz einer Familie und ein beliebter Hintergrund für Fotos aller Art!
Wir von FassadenGrün helfen gern, wenn neu begrünt wird, sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum. Dazu gehört, sich auf Bewährtes zu besinnen und Beispiele zu präsentieren. Im Bildarchiv, nach Bundesländern geordnet, können Sie künftig Ihre Region erforschen. Derzeit ist für “Sachsen” schon vieles veröffentlicht, ab 2026 folgen weitere Gebiete.