Gebäudegrün als Klimaschutz

Pflanzen als Klimaretter? Jawohl, denn Gebäudegrün auf Dächern und Fassaden hilft unserem Klima, und zwar im großen wie im kleinen. Es bindet CO2 und Feinstaub, erhöht die Luftfeuchtigkeit und trägt zur Temperatursenkung in heißen Sommern bei. Weniger heiße Luft bedeutet weniger Luftbewegung, weniger aufgewirbelten Staub und Schmutz, kurzum: mehr Lebensqualität! Kletterpflanzen sind also vor allem für das Mikroklima bedeutsam, gerade bei Vollbegrünungen.

Dreilappiger Wilder Wein in einem Innenhof am Dom in Naumburg / Sachsen-Anhalt

Kohlendioxyd-Bindung

Kletterpflanzen binden CO2 und bilden Kohlenhydrate, also Zucker bzw. Blattfasern und Holzmasse. Dieser Aspekt ist interessant, aber letztlich sind es kleine Mengen, die mit dem Herbstlaub, dem Dickenzuwachs an Stämmen und ggf. den Früchten anschaulich werden. In Kilogramm gemessen wird nur die Trockenmasse, und das sind pro Hauswand und Jahr dann 2-3 PKW-Tank-Füllungen, die aus der Luft wieder "eingefangen" wurden, mehr leider nicht...

Sauerstoff-Produktion

Ein chemischer Begleit-Effekt der Aufspaltung von CO2 und der Bindung von Kohlenstoff (C) ist die Freisetzung von Sauerstoff (O2), der sich über die Spaltöffnungen auf den Blatt-Unterseiten in die Umgebungsluft verteilt.

Erhöhung der Luftfeuchte

Wenn das Sonnenlicht auf die dunklen, grünen Blätter trifft, wandelt es sich teilweise in Wärme, wie bei einem Kollektor zur Warmwasserbereitung. Die chemischen Prozesse zur Bindung des CO2 brauchen aber gleichbleibend niedrige Temperaturen, deshalb muss die Wärme abgebaut werden. Dies geschieht durch die permamente Verdunstung von Wasser über die Blattflächen in die Umgebungsluft. Durch das verdunstete Wasser erhöht sich die Luftfeuchtigkeit, und das über die Wurzeln empor gesaugte Wasser trägt wiederum zur Bautrocknung bei.

Temperatur-Senkung dank Gebäudegrün

Gründe Fassaden "fressen" im Sommer unerwünschte Wärme und sorgen für Luft- und Fassadenkühlung. Wie kommt das zustande? Zum einen ist es die geschilderte Wasserverdunstung, die (Wärme-) Energie verbraucht, zum anderen sind es die chemischen Prozesse rund um den Kohlenstoff. Die bei der Verbrennung von Kohlenstoff zu Kohlendioxid enstandene Abwärme wird quasi wieder benötigt, eingefangen und verbraucht, wenn der Kohlenstoff erneut in Pflanzenmasse gebunden wird.... So jedenfalls kühlt die umliegende Luft ab und "fällt" nach unten, ähnlich einem Wald kann es sogar zu fühlbarer Kühle kommen. Noch wichtiger ist aber, dass damit die Entstehung stark erhitzter Luft gebremst wird und Luftgeschwindigkeiten im Bodenbereich reduziert werden. Es wird dann weniger Staub empor gewirbelt und die Smogbildung eingeschränkt. Das Thema "Gebäudegrün und Staubreduktion" ist inzwischen sogar Inhalt wissenschaftlicher Studien!

Staub-Bindung

Blätter von Gebäudegrün absorbieren auch Staub, insbesondere den toxischen Feinstaub. Einmal "eingefangen", sind diese extrem kleinen Nano-Partikel kaum noch gefährlich und werden dann mit dem nächsten Regen abgewaschen oder beim herbstlichen Laubfall samt Blättern kompostiert.

Grüne Wände mit Parthenocissus tricuspidata, Rathaus Eisleben / Sachsen-Anhalt
"Grüne Wände" mit Wildem Wein
Umweltschutz dank Wandbegrünung, Leipzig / Sachsen
Eine solch große "grüne Wand" mit Mischbegrünung (Baumwürger, Pfeifenwinde, Clematis vitalba) dient dem Umweltschutz in vielfacher Hinsicht.