Spezial-Kordon

  (Senkrechtkordon mit Strecker-Schnitt)

 

 

 

 

 

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Diese alte Erziehungsart ist gewiss eine Liebhaberform und basiert auf dem mittellangen Schnitt ("Strecker"). In abgewandelter Form ist sie im Weinbau noch als "Silvoz-Erziehung" bekannt. Bei gleicher Anordnung wie bei einem Schnellwuchs- oder Klassikkordon kommen hier deutlich mehr Knospen zur Entfaltung, und das führt zu sehr hohen Erträgen auch auf begrenzten, schmalen Spalierflächen unter 80 cm Breite wie zwischen Fenstern. Des weiteren lassen sich die vielen Trauben besser in der Fläche verteilen als bei auf Zapfen geschnittenen Kordons. Besonders auch für Sorten, die "langen Schnitt" brauchen wie "Theresa". Bei breiteren Wandflächen ist der Premium-Kordon noch praktischer.

 

Erforderliche Wuchskraft: für sehr stark wüchsige Reben

 

Pflanzabstand an breiten Wänden: ca. 1,0 - 2,0 m

 

Rankhilfen: Seilsysteme für Reben. Mindestens 3, besser 5 parallele Vertikalstränge (Abstand 25 - 35 cm) aus Drahtseil / Draht oder Holzspaliere.

 

Aufbau: Ein Hochertrags-Kordon sollte erst dann formiert werden, wenn die ausgewählte Rebe sich als ausgesprochen starkwüchsig erweist.  Es wird empfohlen, die Form ggf. nachträglich aus bestehenden, anderen Formen mit Zapfenschnitt (z. B. Schnellwuchs-Kordon) zu entwickeln, wenn sich diese als genügend starkwüchsig erweisen. Die vertikale Verlängerung pro Jahr beträgt dann 30 bis 40  cm, bei Sorten mit großem Abstand von Blatt zu Blatt ("weitknotig") auch 50 bis 80 cm.

Der Aufbau mit streng abwärts gerichtetem Fruchtholz an den sich vom Hauptstamm verzweigenden Abgängen erfordert Geschick und Aufmerksamkeit. Es wird auf den folgenden Grafiken neben dem Neuaufbau auch der Umbau eines schon bestehenden (Klassik-) Kordons zu einem Spezial-Kordon gezeigt. So können ggf. zunächst mit einem einfachem System positive Erfahrungen gesammelt werden. Aber auch hier gilt: Wenn die Spalierfläche breiter als ca. 80 cm ist, ist besser gleich der Premium-Kordon zu wählen.

 

Schnitt: erfordert Fachwissen und Erfahrung,  mittellanger Schnitt und Sommerschnitt

 

 

 

"Strecker"-Kordon auf einer historischen Darstellung, schematisch und nicht maßstäblich: links nach Schnitt und Biegen im Frühjahr, Mitte im Spätherbst desselben Jahres, rechts nach dem Winterschnitt, verlängert und für das nächste Frühjahr bereit.....

 

 

 

 

Neuaufbau eines Spezial-Kordons

 

 

 

 

 

 

Aufbau im 3. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 01: Entwicklungsstand zu Beginn des 3. Jahres mit allen Anzeichen für einen starken Wuchs

 

 

Bild 02: Wegschnitt der oberen Vorjahrestriebe

 

Bild 03: Rückschnitt von zwei künftigen "Abgängen" auf Zapfen

 

 

Bild 04: Einkürzen der Stammverlängerung

 

Bild 05: Die Stammverlängerung wurde gerichtet, daneben das "Blenden" überflüssiger Knospen

 

 

Bild 06: Austrieb im Frühjahr

 

 

Winterschnitt nach dem 2. Jahr

Aus dem 2. Jahr wird ein kräftig gewachsener Weinstock mit 5 Neutrieben übernommen (Bild 01). Die Stammhöhe bis zu den ersten Abgängen ist höher als bei anderen Formen zu wählen. Die 2 oberen Triebe werden entfernt und der Stamm entsprechend gekürzt (Bild 02). Der jetzt am weitesten oben stehende Trieb dient als Stammverlängerung, die beiden anderen werden auf 2 Knospen (Bild 02) geschnitten (Bild 03). Die Stammverlängerung wird schließlich auf eine Länge von ca. 40 bis 50 cm geschnitten (Bild 04), so gerade wie möglich gebogen und senkrecht angebunden (Bild 05). Bitte ggf. die Details zum Schnitt beachten!

Alternativ kann auch mit einem Rebstock begonnen werden, der aus dem Vorjahr nur 3 statt 5 Triebe hatte. In diesem Fall dient der oberste Trieb wiederum als Stammverlängerung, und der Aufbau beginnt mit Bild 04.

An der Stammverlängerung müssen drei Knospen verbleiben (Bild 06). Die weiter unten liegenden werden ausgebrochen, "geblendet", und zwar dann, wenn am Wollig-Werden und Anschwellen aller Knospen sicher ablesbar ist, dass sie den Winter überlebt haben (Bild 05). So kann die Kraft des kleinen Stockes sofort den Trieben zugute kommen, die am Stock bleiben.

Mitunter aber ist es sicherer, mit dem Ausbrechen zu warten, bis alle Triebe ca. 20 cm lang sind und die verbleibenden durch Anbinden bereits vor einem späteren Abbrechen geschützt sind.

 

Anbinden der Neutriebe

Um die straffe Abwärts-Ausrichtung der künftigen Abgänge vorzubereiten, sind die für den späteren Aufbau wichtigen Triebe möglichst waagerecht oder gar etwas abwärts gebogen anzubinden (Bild 08), sobald sie  nicht mehr so bruchgefährdet sind (ab ca. Juni). Das gilt für das dritte und alle Folgejahre (Bild 13/14).

 

Sommerschnitt im 3. Jahr

Sich bildende Geiztriebe aus den Blattachseln können zunächst verbleiben, da ein zu zeitiges Kappen starken Neutrieb derselben auslöst. Etwa Ende August sollten dann alle neuen Haupttriebe auf ca. 10  Augen (Blätter) oder ca. 1,0 bis 1,5 m Länge eingekürzt werden (Bild 07), um ein gutes Ausreifen der unteren, "basalen" Knospen in den Blattachseln anzuregen. Geiztriebe werden gekappt und ggf. nachbehandelt wie hier gezeigt.

Trauben können bleiben, wenn der Stock insgesamt kräftigen Wuchs zeigt. Sind aber zwei an einem Trieb, sollte unbedingt die außen liegende gekappt werden (Bild 07), da sonst die Holzreife gefährdet ist.

 

Winterschnitt nach dem 3. Jahr

Dieser erfolgt jetzt und in den Folgejahren zunächst (Bild 09) genau so wie nach dem 2. Jahr (Bild 03/04), wiederum in der oberen Hälfte des inzwischen gewachsenen Stockes. Zusätzlich werden die Abgänge der unteren Hälfte in zwei Stufen (Bild 10/11) mittellang geschnitten, auf so genannte "Strecker", also auf etwa  4 - 6 Augen.  Die Strecker sind schräg abwärts zu biegen an die Rankhilfe zu binden.

 

Folgejahre

Die Behandlung wiederholt sich, bis die gewünschte Höhe erreicht ist: Der Stock schließt dann ca. 50 cm unter der Oberkante des Spaliers mit einem Abgang ab, die letzte Stammverlängerung wird weg geschnitten. Alle Abgänge erhalten künftig  in jedem Winter mittellangen Schnitt (Strecker).

 

 

 

Bild 07: Sommerschnitt im August. Bei guter Entwicklung hängen an jedem Trieb schon 1 - 2 Trauben .

 

Bild 08: Gut verholzte Seitentriebe im Herbst des 3. Jahres, Anbinden von Stammverlängerung und künftigen "Abgängen", die waagerecht bis abwärts formiert werden sollten.

 

 

 

 

Winterschnitt nach dem 3. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 09:  Einkürzen des Leittriebes und der oberen, neuen "Abgänge", Drehen, Biegen und Herunter-Binden der ersten zwei künftigen "Strecker"

 

 

Bild 10: Die noch "hinter" den Streckern, also weiter vom Hauptstamm weg stehenden Ruten werden abgeschnitten samt Stummel des Vorjahreszapfens (dunkelbraun)

 

Bild 11: Einkürzen der Strecker auf 5 - 6 Knospen

 

 

 

 

4. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 12: Ausbrechen analog Bild 05

 

Bild 13: Austrieb im Frühjahr. Um die Abwärts-Ausrichtung der künftigen "Strecker" vorzubereiten, werden die für den späteren Aufbau wichtigen Triebe (s. Bild 14) besonders beobachtet und ab Juni/Juli angebunden. Fruchtansätze an diesen Trieben werden reduziert (s. Bild 07) oder ganz weg gebrochen. Auch der Sommerschnitt (Bild 07) wird ausgeführt.

 

Bild 14: Zustand nach dem Laubwurf zum Ende des 4. Jahres, mit vielen gut verholzen Trieben. Die für den weiteren Aufbau wichtigen Triebe sind durch Umrandung und Darstellung der Knospen besonders hervorgehoben. Alle anderen Triebe werden nicht benötigt und jetzt abgeschnitten (Bild 15/16).

 

 

 

 

Winterschnitt nach dem 4. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 15: Einkürzen des Leittriebes und der oberen zwei neuen "Abgänge". Alle sonstigen, "hinter" den künftigen vier unteren Streckern weiter vom Hauptstamm weg stehenden Ruten (ocker) werden abgeschnitten samt äußerem Bereich der dunkelbraunen Vorjahres-Zapfen (Bildmitte) oder Vorjahres-Strecker (unterste"Etage").

 

Bild 16: Einkürzen der neuen Strecker auf 4 - 7 Augen

 

Bild 17: "Blenden" einer straff aufwärts stehenden stammnahen Basal-Knospe, statt ihr wird die nächste, schon jetzt mehr abwärts weisende für einen künftigen "Strecker" herangezogen. Alle jetzigen Strecker werden auf schräge Lage gebogen und durch Anbinden fixiert.

 

Darstellungen zum Aufbau im 5. Jahr sind auf Bild 23 - 29 zu finden.

 

 

 

 

 

Spezial-Kordon:  Aufbau aus einer anderen Form

 

Aus einem Klassik-Kordon oder Schnellwuchs-Kordon, der sich als sehr wüchsig (vielleicht zu wüchsig) herausgestellt hat, wird durch Umbau ein Spezial-Kordon. Bei breiten Flächen wird besser gleich auf Premium-Kordon umgestellt.

 

 

 

 

 

 

Umbau nach dem 4. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 18: Übernahme einer Weinrebe mit früherem Zapfenschnitt (kurzer Schnitt) am Ende des 4. Jahres, mit im Sommer gekürzten und gut verholzten Trieben, Zuerst wird die Stammverlängerung auf ca. 40 - 50 cm geschnitten.

 

Bild 19: Die "hinter" den stammnahen Trieben, also weiter vom Hauptstamm weg stehenden Ruten werden abgeschnitten samt Stummel des Vorjahreszapfens (dunkelbraun)

 

Bild 20: Die verbliebenen Ruten - auch die obersten beiden - werden mittellang (auf 4 - 6 Knospen) geschnitten, sie werden damit zu "Streckern". Die Arbeiten werden terminlich gemeinsam mit denen von Bild 19 ausgeführt.

 

 

 

 

Übergang zum 5. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 21: Nach dem Winterschnitt

 

 

Bild 22: Die neuen Strecker werden  - am besten gleich nach dem Winterschnitt - unter starkem Drehen und "Knirscheln" schräg abwärts gebogen und in diesem Zustand durch Anbinden fixiert.

 

Bild 23: Im Frühjahr wird die Stammverlängerung wieder ausgebrochen wie auf Bild 05. Die im Biegeradius der Strecker oben liegenden Knospen unterliegen einer Neigung zu sehr starkem Wuchs und treiben oft als erste aus.

 

 

 

 

5. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 24: Austrieb im Frühjahr

 

Bild 25: Die nahe dem Stamm oben liegenden Triebe (Bild 23) werden zugunsten des jeweils nächsten Triebes ausgebrochen. Aus diesen nächsten, weiter weg vom Stamm stehenden Trieben wachsen dann die "Strecker" für das Folgejahr .

 

Bild 26: Zustand nach dem Laubwurf zum Ende des 5. Jahres, mit vielen gut verholzen Trieben. Die für den weiteren Aufbau wichtigen Triebe sind durch Umrandung und Darstellung der Knospen besonders hervorgehoben. Alle anderen Triebe werden nicht benötigt und jetzt abgeschnitten (Bild 27-29).

 

 

 

 

Winterschnitt nach dem 5. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 27: Einkürzen des Leittriebes (außerhalb des Bildes) wieder auf ca. 40 - 50 cm. Auch die noch "hinter" den künftigen sechs Streckern, also weiter vom Hauptstamm weg stehenden Ruten (ocker) werden abgeschnitten samt äußerem Bereich der sechs Vorjahres-Strecker (dunkelbraun).

 

 

Bild 28: Einkürzen aller neuen Strecker auf 4 - 7 Augen

 

Bild 29: Alle neuen Strecker werden auf Schräglage gebogen - ggf. unter kräftigem Drehen und "Knirscheln" - und durch Anbinden fixiert. Zwei nahe dem Stamm nach oben zeigende Augen werden zugunsten der nächsten, weiter weg vom Stamm stehenden (aber nach unten zeigenden) ausgebrochen. Aus diesen unterhalb der Ausbruchsstellen liegenden Augen  wachsen dann die "Strecker" für das Folgejahr.

 

 

 

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