Stammgerüst bei waagerechter Erziehung |
|
►►►▲ Erziehung ►►►►● Stammgerüst ●
|
|
||||||||
|
|
|
Bild 01: Bei dieser Hausrebe wurde auch der senkrechte Stammbereich begrünt.
Bild 02: Früher war es üblich, die Stämme bis zum Rankfeld unbegrünt zu lassen. Diese Form hat sich im ländlichen Raum gebildet, als der Viehtrieb noch über die Straßen erfolgte und belaubte Rebstämme wegen gewisser Mitnahme-Effekte keine Chance hatten. Aber auch an ungebetene Naschkatzen wie Schulkinder wurde keine Mühe verschwendet: Jeder Bauer wollte die Früchte seiner Arbeit selber ernten, und da war das Hochspalier die bessere Form. Oft verstärken zierliche oder auch martialische Gitter den Schutzeffekt....
Bild 03: Hausrebe nach dem Winterschnitt, das Stammgerüst ist gut erkennbar. |
|
||||||||
|
|
2. / 3. Jahr, mittlerer Wuchs
|
|
|
|
|
|
|||||
|
|
Bild 04: Weinstock mit zwei kräftigen Haupttrieben, Winterschnitt. Die durch Sommerschnitt auf ca. 1,0 m Schenkel eingekürzten, künftigen Schenkel werden jetzt auf ca. 0,8 m geschnitten. Statt 0,8 m können auch 4 oben liegende Knospen plus eine Stammverlängerungsknospe am äußeren Ende abgezählt werden. Der untere Trieb wird als Reservezapfen bzw. zur Stammbegrünung genutzt. |
|
|
|
Bild 06: Austrieb im Frühjahr. Für die Stammbegrünung sind maximal 2 - 3 Abgänge vorzusehen. Ist die Begrünung üppiger geplant, sollte lieber aus dem unteren Reservezapfen ein kompletter Vertikaltrieb gezogen und als zusätzlicher, senkrechter Kordon formiert werden. |
|
|||||
|
|
2. / 3. Jahr, sehr starker Wuchs
|
|
|
|
|
|
|||||
|
|
Bild 07: Starkwüchsiger junger Weinstock, Winterschnitt. Die 3 obersten Triebe dienten schon der Erzeugung erster Früchte und stärkten den Stock. Sie werden jetzt samt Stammabschnitt komplett entfernt. Die 2 kurz unter der Höhe der künftigen Kordonarme (hellgrau), also knapp unter "Stammhöhe" liegenden Triebe sind für eben diese Stamm-Schenkel vorgesehen und werden jetzt auf ca. 0,8 m geschnitten. Statt 0,8 m können auch 4 - 5 oben liegende Knospen plus eine Stammverlängerungsknospe am äußeren Ende abgezählt werden. Zwei untere Trieb werden als Reservezapfen bzw. zur Stammbegrünung genutzt. |
|
|
|
Bild 09: Austrieb im Frühjahr. Für die Stammbegrünung sind maximal 2 - 3 Abgänge vorzusehen. Ist die Begrünung üppiger geplant, sollte lieber aus dem unteren Reservezapfen ein kompletter Vertikaltrieb gezogen und als zusätzlicher, senkrechter Kordon formiert werden.
|
|
|||||
|
|
3. / 4. Jahr
|
|
|
|
|
|
|||||
|
|
Bild 10: Winterschnitt. Die im Vorjahr nach oben gewachsenen Triebe werden zu Abgängen formiert und erhalten jetzt und ggf. auch künftig Zapfenschnitt, genauso die ein oder zwei Reservezapfen im Stammbereich auf Fensterhöhe. An diesen ist im Bild zunächst nur der Vorschnitt gezeigt. Die Stammverlängerung wird lang geschnitten analog zu Bild 07.
|
|
|
|
Bild 12: Austrieb im Frühjahr
|
|
|||||
|
Stammverlängerung
|
|
|
|
||||||||
|
|
Bild 13: Verschiedene Varianten, durch Schnitt und Ausbrechen einen Stamm zu verlängern: 0=unbeschnitten, 1=mit dichter Anordnung der Knospen auf der Verlängerung, 2= mit lockerer Anordnung der Knospen, 3=mit versetzt dichter Anordnung der Knospen
|
|
|
|
Bild 15: Nach dem Austrieb im Mai: Die Variante 0 ist unbrauchbar wegen des unregelmäßigen, teilweise schwachen oder fehlenden Austriebes.
|
|
|||||
|
Kamm-Formen
|
|
|
|
||||||||
|
|
Bild 16: Winterschnitt
|
|
|
|
Bild 18: Nach dem Aisbrechen
|
|
|||||
|
|
Bild 19: Triebe im Wachstum, ohne Blätter und Traubenansätze dargestellt
|
|
|
|
Bild 21: Austrieb im Frühling des Folgejahres
|
|
|||||
|
Ergänzende Hinweise zum Stammgerüst |
|
|
|
|
|
Hier finden Sie ggf. noch ergänzende Bemerkungen zum Stammgerüst bei Reben.
Wuchsverhalten ohne Schnitt Unbeschnittene Reben entwickeln oft ein Gewirr von Unmengen dünner Triebe, die jedoch im Wuchsjahr unfruchtbar sind. Diese minderwertigen, oft stark verschatteten Triebe bilden wiederum auch nur minderwertige Knospen für das Folgejahr. Das aber ist fatal für den Rebstock, denn hier liegt der Schlüssel zum Erfolg: In den Knospen des Vorjahres, die in den Blattachseln gebildet werden, werden zwischen Juni und August mikroskopisch klein schon die Fruchtansätze für das Folgejahr strukturiert. Und bei schwachen, minderwertigen Trieben, im Vollschatten und bei schlechtem Witterungsverlauf wird dieser Vorgang gehemmt bzw. ganz unterbunden. Die vielen dünnen Triebe verbleiben dann ohne Schnitt am Stock und werden zu unbrauchbaren Stammholz. Statt weniger, dicker Arme besteht ein solcher Stock dann aus einem einzigen Gefitz von dünnen, bastigen Trieben, aus deren im Licht stehenden Enden hier und da neue Triebe wachsen. Mehr im Schatten liegende Partien sterben schließlich ganz ab. Ihr genetisches Ziel der Fortpflanzung erreichen auch diese Stöcke, es werden durchaus reife Samen (Beerenkerne) gebildet. Schließlich ist dies ja gewissermaßen die "natürliche" Wuchsform des Weinstocks. Die Trauben und Beeren aber bleiben meist winzig und sauer. Durch straffe Erziehung, Schnitt und fortwährende Auslichtung hingegen lassen sich hochwertige Trauben gewinnen.
Folgerungen für Stammgerüst bei Reben Um den jeweils neuen, grünen Trieben genügend Raum zu lassen, werden die alten Stämme und "Äste" am Weinstock also nicht dicht verzeigt, sondern spartanisch, "weitmaschig" angeordnet. Das führt zu speziellen Formen beim Stockaufbau, die sich vom Obstbaum unterscheiden und in Grafiken gezeigt sind, wenn Sie dem Link folgen. So gesehen bestehen gut erzogene Hausreben aus einem kargen Stammgerüst, dem so genannten "Altholz" in Form von Hauptstamm, Seitenarmen, Schenkeln bzw. "Kordons". Auf diesem Stammholz stehen die oben genannten "Abgänge", aus denen Jahr für immer wieder neu Triebe mit Früchten wachsen. Der Stamm mit seiner faserigen Rinde ist neben den Wurzeln die Speicherbatterie des Rebstocks. Hier werden die in sehr sonnigen Tagen produzierten Zucker-Überschüsse eingelagert und im Herbst in die Spätreife der Trauben gesteckt bzw. als Frostschutzmittel vorgehalten. Manche Sorten wie der alte "Gutedel" fühlen sich als Hausrebe angeblich erst richtig wohl, wenn sie über ein kräftiges Stammgerüst mit viel altem Holz verfügen, und sie danken das dann mit Unmengen prächtiger Trauben. Das Ziel muss also lauten: nicht viel dünnes, sondern wenig, aber kräftiges Stammholz!.
Vergleich mit Obstbäumen Obstbäume haben - anders als Reben - meist eine Stammform, bei der sich ein Hauptstamm über Leitäste in dünnere Fruchtäste immer weiter verzweigt (Bild 01). Überall, wo Früchte am Baum sein sollen, muss das Zweiggerüst dicht angeordnet sein, da die Früchte quasi unmittelbar an den Zweigen wachsen. Aus einer Fruchtknospe wächst jeweils ein Stummelzweig mit Blätterbüschel (in Bild 02 blau umrandet), an dem dann eine oder mehrere Früchte hängen, also Kirschen, Äpfel, Birnen usw.. Nur mit vielen Ästen und wiederum dichter Verzweigung ist reiche Ernte möglich. Das ist beim Weinstock anders: Aus einer Fruchtknospe wächst nicht ein Stummel, sondern ein meterlanger Trieb, an dem dann 1 - 3 Trauben hängen. In Bild 03 ist die gesamte, aus einer solchen Knospe stammende Grünmasse wieder blau umrandet. Gegenüber dem Obstbaum hat der Weinstock also eine stärkere Wuchskraft. Nun braucht jeder der neuen, grünen Triebe am Weinstock Luft und Licht, also Platz. Wenn die Triebe sich überdecken und stark ineinander wachsen, führt dies zu Pilzkrankheiten, schlechten Früchten und mangelnder "Holzreife", der Weinstock wird schwach und frostanfällig. |
|
|
Bild 01: Stammgerüst bei einem Apfelbaum (schematisch)
Bild 02: Verteilung von Altholz (dunkelbraun), "Fruchtholz" (hellbraun) und Grünholz mit Früchten (grün) am Kronenrand eines Apfelbaumes und einer Weinrebe (unten), schematisch dargestellt. Blau umrandet ist jeweils der einer einzelnen "Fruchtknospe" entstammende Neutrieb.
Bild 03: Junger Rebtrieb (grün) auf verholztem Vorjahrestrieb (ocker) |
|
zur Hauptseite