Schnellwuchs-Kordon

  (Senkrechtkordon mit Zapfenschnitt)

 

 

 

 

 

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Mit dieser sehr verbreiteten und einfachen Erziehungsform wurden früher Reben in Gewächshäusern und an Wänden gezogen. Die Methode ist leicht handhabbar, der Stock wird recht schnell in die Höhe formiert. Deshalb wird dieser Aufbau auch gern für Hausreben angewandt. Allerdings kann es hier eher zu Ausfällen einzelner Zapfen in den unteren Bereichen kommen, vor allem in späteren Jahren, da der Stamm nicht so solide wie bei der klassischen Form aufgebaut wird. Auch für Rebsorten, die auf langen Schnitt besser ansprechen ("Theresa"), ist die Form nur bedingt geeignet.

 

Erforderliche Wuchskraft: für mittel bis stark wüchsige Reben, für fast alle veredelten (und damit meist starkwüchsigen) Reben

 

Pflanzabstand an breiten Wänden: ca. 2,0 m

 

Rankhilfen: Seilsysteme für Reben. Es genügt ein senkrechtes Drahtseil,  drei Stränge (Abstand 30 - 50 cm) sind aber günstiger, damit sich junge Reben auch zur Seite hin festkrallen bzw. sie da angebunden werden können. So wird die Laubwand gleichmäßiger verteilt. Auch Holzspaliere sind geeignet.

 

Aufbau: Es wird unten der Aufbau vom 3. - 4. Jahr dargestellt. Die Erziehung  im 1./2. Jahr ist für alle Reben ähnlich und unter "Erziehung" beschrieben. Dort erfahren Sie auch, wie die Wuchskraft Ihrer Reben einzuschätzen ist. Die vertikale Verlängerung pro Jahr beträgt ca. 50 bis 80 cm, also ca. 4 neue "Abgänge"

 

Schnitt: vergleichsweise unkompliziert,  Zapfenschnitt, im oberen Bereich auch Strecker und ggf. Sommerschnitt.

 

 

 

Wein-Kordons im Gewächshaus. Die Stämme wurden im Winter niedergelegt und gekalkt, auch um Sonnlicht zu reflektieren und einen zu zeitigen Austrieb zu verhindern.

 

Sechs Senkrechtkordons am Holzspalier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Schnellwuchs"_Kordon mit kurzem Schnitt ("Zapfen") im Winter an einer Hauswand

 

Zwei Kordon-Stränge an einem Holzpfosten, nach dem Winterschnitt

 

Ein einzelner Senkrechtkordon sollte maximal 3 - 4 m hoch sein, sonst versagen die unteren Abgänge. Bei größeren Höhen bis 5 und mehr Metern oder auch, wenn es schnell gehen soll mit der Begrünung, bietet sich der "Wechselkordon" mit Reben unterschiedlicher Höhe an, die dann jeweils einzeln in ihrer Etage entwickelt werden. Die beiden hohen Kordons werden dabei im 1./2. Jahr so erzogen, dass zunächst nur ein hoher Stammtrieb entsteht.

Die einzelnen Laubfelder der jeweiligen Reben sind dann in den beiden Etagen versetzt angeordnet (Bildecke oben rechts)

 

Kombination von Wechselkordon (unterschiedliche Höhen) und Palmette, (mehrere parallele Arme) bei kurzem Schnitt. Bei einem System mit langem Schnitt sind die 1,5 m breiten Abstände auf ca. 2 m zu erhöhen. Ggf. können die Arme der beiden Doppelpalmetten auch so gezogen werden, dass statt 4 nur insgesamt 2 Stamm-Achsen entstehen (Bildecke oben rechts) und die Reben sogar gemeinsam in eine Pflanzgrube kommen (Köcherpflanzung).

 

 

Der links abgebildete Kordon, grafisch analysiert. Die Stammabschnitte aus drei Jahren sind sichtbar: Oben die Stammverlängerung des letzten Jahres, im mittleren Drittel die von vor zwei Jahren (mit Zapfen), im unteren Drittel die von vor 3 Jahren mit Zapfen am Schnittstummel des jeweiligen "Vorzapfens"

 

Kleiner Kordon, unten noch eine Reserve-Rute, die gegen Winter-Ende auf Zapfen eingekürzt wird und bis dahin als Sicherheit dient, falls extremer Frost den gesamten oberen Rebstamm erfrieren lässt.

 

Reben- Kordons am Laubengang eines Gartenhauses im Winter

 

Doppel-Palmetten in einem Gewächshaus, nach dem Schnitt, historische Darstellung

 

 

Neuaufbau uralter Gewächshaus-Reben im Schlossgarten Diesbar-Seußlitz / Sachsen

 

Senkrecht-Kordons an der St.-Urban-kirche in Meißen / Sachsen, mit Frühjahrsaustrieb

 

Die selben Kordons wie im Foto darüber, aber vor dem Austrieb. So ist die Formierung erkennbar.

Die Zapfen sind hier schon älter und stehen aufgrund der summierten Vorjahresstummel weiter weg vom jeweiligen Hauptstamm.

 

Fünf Kordonarme an einer Pergola, an Spanndrähten befestigt.

 

Doppel-Palmetten an einem Holzspalier nach dem Winterschnitt auf Zapfen.

 

 

 

Aufbau im 3. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 01: Winterschnitt nach dem 2. Jahr

 

 

Bild 02: Nach dem Winterschnitt

 

Bild 03: Austrieb im Frühjahr

 

 

Winterschnitt nach dem 2. Jahr

Aus dem 2. Jahr wird ein kräftig gewachsener Rebstock mit senkrechter  Stammverlängerung und 4 "Abgängen" übernommen (Bild 01). Die Stammverlängerung wird auf 5 Augen, die Zapfen werden auf 2 geschnitten. Bitte ggf. die Details zum Schnitt beachten!

Die Stammverlängerung wird an die Rankhilfe gebunden.

 

Anbinden der Neutriebe

Allgemein werden neue Triebe, die Trauben bringen, nicht zwangsläufig angebunden, da es aufwändig ist. Weil es sich aber hier (Bild 03) teilweise um Triebe handelt, die für das künftige Stammgerüst nötig sind, ist das Anbinden zu empfehlen, um ein Wegbrechen zu vermeiden.

 

Sommerschnitt im 3. Jahr

Sich bildende Geiztriebe aus den Blattachseln können zunächst verbleiben, da ein zu zeitiges Kappen starken Neutrieb derselben auslöst. Etwa Ende August sollten dann alle neuen Haupttriebe auf ca. 10  Augen (Blätter) oder ca. 1,0 bis 1,5 m Länge eingekürzt werden (Bild 04), um ein gutes Ausreifen der unteren, "basalen" Knospen in den Blattachseln anzuregen. Geiztriebe werden gekappt und ggf. nachbehandelt wie hier gezeigt.

Trauben können bleiben, wenn der Stock insgesamt kräftigen Wuchs zeigt. Sind aber zwei an einem Trieb, sollte unbedingt die außen liegende gekappt werden (Bild 04), da sonst die Holzreife gefährdet ist.

 

Winterschnitt nach dem 3. Jahr

Dieser erfolgt jetzt und in den Folgejahren zunächst (Bild 05-A) genau so wie nach dem 2. Jahr (Bild 01), nur jetzt in der oberen Hälfte des inzwischen gewachsenen Stockes. Zusätzlich werden die Abgänge der unteren Hälfte wieder auf "zweiäugige" Zapfen eingekürzt, aber in 2 Schritten wie dargestellt (Bild 05-B /-C).

 

Folgejahre

Die Behandlung wiederholt sich, bis die gewünschte Höhe erreicht ist: Der Stock schließt dann ca. 20 - 50 cm unter der Oberkante des Spaliers mit einem Zapfen ab, die letzte Stammverlängerung wird weg geschnitten. Alle Abgänge werden künftig mit dem Zapfenschnitt behandelt.

 

 

Bild 04: Sommerschnitt im August, Darstellung ohne Laub. Bei guter Entwicklung können an jedem Trieb mitunter schon 1 - 2 Trauben hängen.

 

 

 

Aufbau im 4. Jahr

 

 

 

 

 

 

 

Bild 05-A: Einkürzen der oberen, neu gewachsenen "Abgänge" auf Zapfen und des Leittriebes auf 5 Augen. Bei sehr gutem Wuchs sind oben sogar 6 Augen denkbar, so dass in den Folgejahren jeweils 5 statt nur 4 neue seitliche "Abgänge" gebildet werden (s. Fotobild 09).

 

 

Bild 05-B: Entfernung überflüssiger Ruten und Stummel älterer Zapfen. Es wird jeweils die weiter vom Hauptstamm entfernte Rute komplett weg geschnitten.

 

Bild 05-C: Schnitt der verbliebenen Ruten auf zweiäugige Zapfen

 

 

Bild 06: Zusammenfassung der Schritte aus Bild 05-A bis 05-C in einem Bild

 

 

Bild 07: Nach dem Winterschnitt

 

Bild 08: Austrieb im Frühjahr des 5. Jahres

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotodokumentation zum Aufbau im 4. Jahr

 

Aus den folgenden Fotos können Sie einige der oben gezeigten Schritte nochmals unter Praxisbedingungen betrachten.

 

 

Bild 09: Mittlerer Teil eines im Aufbau befindlichen Kordons am Holzspalier, vor dem Schnitt (s. auch Bild 05-A)

 

 

 

Bild 10: Foto zu Bild 05-B

 

 

 

Bild 11: Foto zu Bild 05-C

 

 

Bild 12: Foto zu Bild 05-C nach erfolgtem Schnitt

 

 

 

Bild 13: Foto zu Bild 05-A, Schnittarbeiten in den oberen Bereichen, zwei Abgänge sind bereits beschnitten

 

 

 

Bild 14: Foto zu Bild 05-A, der dritte Abgang und der nach oben zeigende Verlängerungstrieb sind beschnitten

 

 

Bild 15: Foto zu Bild 07: Der  bereits ausgebildete Stammabschnitt und auch die Stammverlängerung werden straff mit Hartbinder befestigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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