Biegen und Binden bei Reben

 

 

 

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Die nach einem langen Schnitt am Hausspalier oder im Weinberg formierten Fruchtruten stehen  meist schräg aufrecht. Sie können so nicht verwendet werden, weil wegen der "Spitzenförderung" sich nur die oberen Knospen optimal entfalten würden (Bild 01). Hier erfahren Sie, wie solche Triebe waagerecht oder bogenförmig gebunden werden. Auch das Binden des Stammholzes wird besprochen.

 

Das Biegen und Binden erfordert Handfertigkeit, damit die Triebe nicht brechen. Es sollte mit Verschnitt ausgiebig geübt werden! Das Biegen muss nicht zeitgleich mit dem Schnitt erfolgen, sondern findet am besten nachträglich, bei feuchtem Wetter statt, weil dann die Triebe geschmeidiger sind. Mitunter ist es erforderlich, einen störrischen Trieb mit beiden Händen zu fassen und Stück für Stück weich zu biegen, dass es "knirschelt" oder "krächt", bevor er in die gewünschte Lage gebogen und angebunden wird. Dazu muss er dann, gerade beim Flachbogen, auch noch kräftig um die eigene Achse gedreht werden, damit er in die gewünschte Position kommt und dabei nicht splittert.

 

Wenn irgend möglich, sollte immer zur Ursprungs-Achse hin gebogen werden (Bild 05). Ein Biegen weg von der Achse birgt die Gefahr, dass der gesamte Trieb an seiner Basis ausbricht. Um ein Brechen zu verhindern, wird der Trieb beim Biegen zudem noch leicht verdreht.... Die alljährlich abgeschnittenen, nutzlosen Ruten bieten beste Möglichkeit, das Biegen zunächst einmal ohne Rücksicht auf Verluste zu üben!

 

Die Fruchtruten werden wahlweise als Flachbogen, Halbbogen (Bild 04) oder Ganzbogen formiert. Das hängt u. a. von der Beschaffenheit des Rankgerüstes ab, Einzelheiten erfahren Sie bei der jeweiligen Erziehung.

 

Auch beim Aufbau des Stammgerüstes ist Binden nötig: Alle Stamm-Arme und  Triebe werden gleichmäßig an den Drahtseilen oder am Lattengerüst verteilt und angebunden, am besten mit Einschnürungen hemmender Elasto-Schnur oder Gummibinder. Für sehr starke Stämme kommt Klettbinder oder Bandage infrage. Gebunden wird immer auf dem Spalier, niemals dahinter: Mit ihrem Dickenwachstum können Triebe sonst die Konstruktion absprengen.

 

 

 

 

Schnitt Weinrebe

Bild 01: Kleine Weinrebe mit nur einem Abgang nach dem "langen Schnitt", hier wird auf "Flachbogen" gebunden.

 

Bogen Binden

Bild 02: Eine Fruchtrute wird über den Biegedraht zum "Halbbogen" gebunden.

 

Wein Biegen

Bild 05: Das Biegen hin zur gedachten Ursprungsachse (grau gestrichelt) verläuft meist ohne Probleme. Wird aber von der Achse weg gebogen (unterer Bildbereich), sollte der Trieb gleichzeitig gedreht und sehr vorsichtig angefasst werden, weil er sonst ausbricht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bogenschnitt

Bild 03: Senkrechtkordon an einer Weinbergslaube, zwei Abgänge mit Bogenschnitt und Ersatzzapfen. Beim rechten Abgang steht der Zapfen unten auf dem ehemals ersten Auge, beim zweiten Auge steht ein Stummel, hier wurde die Rute weg geschnitten, weil sie sich nicht abwärts biegen ließ, statt dessen wurde die Rute des dritten Auges benutzt und zum Bogen gebunden.

 

 

Halbbogen

Bild 04: Reben in einem Hausgarten, vorne bereits als "Halbbogen" gebunden

 

 

 

 

 

 

             

 

 

 

 

 

 

 

 

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