Zwar gibt es Ausnahmen, doch eigentlich werden Kletterpflanzen bei der Dachbegrünung nicht verwendet. Mit ihnen lassen sich aber Girlanden und damit alternativ auch transparente "grüne Dächer" schaffen! Natürlich ist das eine Frage der Unterkonstruktion: Für Girlanden genügen einzelne, frei gespannte Seile, für Gründächer werden viele Streben bzw. Seile und am besten ein stabiler Spann-Rahmen gebraucht. Anhand von Beispielen erfahren Sie, was bei dieser Form der "Dachbegrünung" zu beachten ist und sehen auch, welche Kletterpflanzen sich eignen.
Normalerweise werden Fassaden- und Dachbegrünung strikt getrennt. Kletterpflanzen sollen die empfindliche Dachtraufe nicht erreichen, geschweige denn überwachsen, weil sonst Bauschäden entstehen können. Vordächer zum Beispiel können hingegen mit einigen Pflanzen begrünt werden, wenn Pflege und Rückschnitt gesichert sind. Ungeachtet dieser Bedenken sind viele Kletterpflanzen natürlich bestens für transparente Rank-Konstruktionen und "Überdachungen" geeignet, nachfolgend finden Sie Beispiele.




Besonders Weinreben eignen sich für grüne Girlanden, Überdachungen, Pergolen, Galerien usw., brauchen aber viel Pflege und diese Art Dachgrün sollte auch stets luftig bleiben (wegen der Mehltaugefahr). Für dichtere Gründächer eignen sich Pfeifenwinde, Akebie und Wildreben, der Aufbau wirklich blickdichter, grüner Dächer dauert jedoch Jahre. Starkwüchsige Einjährige eignen sich für grüne Girlanden, weil hier wegen der überschaubaren Laub-Entwicklung und dem jährliche Absterben kaum statische Probleme entstehen. Bei stark windenden Pflanzen wie Blauregen, Baumwürger, Knöterich und Kiwi ist unbedingt darauf zu achten, dass Drahtseile nicht dauerhaft umschlungen werden. Details zu einer parallelen Stammführung finden Sie auf der Seite "Blauregen".





Schon in der barocken Gartenkunst wurde mit hängenden Rebgirlanden, sogenannten "Festons" experimentiert. Später, nach der Elektrifizierung wurden im ländlichen Raum oft Elektroleitung über einen Hof geführt und das zugehörige, kräftige Spannseil gleichzeitig noch als Halteseil für eine Weingirlande benutzt. Für praktische Dinge haben sich Bauern schon immer begeistert! Ob Seil und Verankerung für solche zusätzlichen Lasten geeignet sind, ist im Einzelfall zu klären.
Oft wurden Seile aber auch nur gespannt, um Rankpflanzen zu ziehen. Aus diesen Anordnungen hat FassadenGrün das System 0040 abgeleitet. Dort finden Sie auch Infos zu den statischen Besonderheiten usw.. Mit mehreren, parallel gesetzten Girlanden dieses Seilsystems lassen sich bereits kleine grüne Dächer zwischen zwei Wänden ausbilden. Ggf. lassen sich Drahtseil-Überspannungen dann auch noch mit Rankfeldern an einer Wand kombinieren.







Grüne Stränge über Straßen finden sich oft in südlichen Ländern, in Deutschland z. B. in Freiburg/ Breisgau. Anders als bei einer Hofbegrünung sind hier eventuell Genehmigungen nötig, da Straßenraum beansprucht wird. Auch die Haftung bei möglichen Schäden (z. B. bei ausgerissenen Spannseilen) sollte geklärt sein, dann steht einer Straßenbegrünung nichts im Wege. Naturgemäß wird sie sich meist aber auf schmale Straßen, Gassen und Fußgängerzonen beschränken.




Besonders eignen sich für flächige Überspannungen Modifizierungen von System 7060 mit sich überkreuzenden Seilfächern. Grüne Überdachungen sollten möglichst hoch gezogen werden, schon um einen gewissen Durchhang der Seile zu ermöglichen und auszugleichen. Auch können Blätter und Triebe, die nach unten hängen, sich dann besser entfalten und stören weniger, weil noch genügend Durchgangshöhe vorhanden ist.
Verteilerpunkte für die Seile werden oft an separate Holzstützen wie bei Drahtrahmen gesetzt, dabei sind die Pfosten wie bei Drahtrahmen abzustützen bzw. gemäß Seilsystem 0050 ins Erdreich abzuspannen, ggf. auch doppelt mit versetzen Seilen (Stützdreieck). Ggf. kann auch mit kurzen Spannseilen oder Edelstahl-Gewindestangen in einer dahinter liegenden Wand verankert werden (s. Foto). Eine Befestigung im oberen Bereich der Wand ist nur zulässig, wenn die oberen Steine durch einen Ringanker oder eine aufliegende, schwere Beton-Dachplatte gehalten werden, andernfalls muss tiefer befestigt werden. An Grundstücksgrenzen ist bei Überschreitung ortsüblicher Zaunhöhen ggf. eine gesonderte Genehmigung einzuholen.
Gehen viele Seile von einem Punkt ab, sind Ringe mit Schraubglied einzubauen. Es sollte dann in jedem Fall nur 3 mm Seil verwendet werden, damit die Seile das "schwächste Glied" im System bleiben und Lastspitzen sich nicht zu stark auf die Pfosten auswirken.






Für eine größere, transparente Dachbegrünung bieten sich Rahmen-Konstruktionen an, weil sie sehr viel stabiler als bloße Seil-Netze sind. Ähnlich wie Pergolen können sie aus Holz sein, aber auch aus rundem oder rechteckigem Stahlrohr oder anderen Stahl-Profilen. Zur Verdichtung können z. B. Drahtseile gemäß Seilsystem 0060 verlegt werden.






