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Geschichte der Gebäudebegrünung
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►►► ● Geschichte ●
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Seit wann gibt es die Begrünung von Wänden? Wahrscheinlich schon, seitdem der Mensch Behausungen baut, denn es gibt nun einmal Pflanzen, die jedes Objekt beranken wollen. Efeu und andere Urwald-Lianen werden die Hütten unserer Ahnen dabei nicht ausgespart haben! Womöglich wurde solcherart Begrünung in der Urzeit sogar als Nachteil gesehen und bekämpft.... Auf dieser Seite wird die Geschichte der Gebäudebegrünung beleuchtet, vor allem für Pflanzen an Fassaden.
Als - wie in der Bibel beschrieben - Noah dann nach der Sintflut seine Arche verließ und die Weinrebe entdeckte, begann eine neue Epoche: Eine jener Urwaldlianen - die Rebe - wurde jetzt in Kultur genommen. Und gewiss auch mit Rankhilfen gepflanzt: Jahrtausendealte Bilder zeigen Lauben - von Weinblättern umkränzt - als Beispiele frühester Gebäudebegrünung.... Auch in anderen Kulturen wurden Kletterpflanzen gezogen, so der Blauregen in Asien. Besonders an Brückengeländern konnte er seine Pracht entfalten.
In Mitteleuropa haben schließlich zwei Kletterpflanzen dominiert: Efeu und Reben. Während der Efeu ohne Einladung wuchs, war die Kultur von Weinreben mit Rankhilfen am Haus eine bewusste Fassadenbegrünung. Durch die Römer im ersten Jahrtausend nach Christi eingeführt, gab es immer wieder Probleme mit dem Ausreifen der Beeren. Aber Wein musste her, vor allem als Messwein für den Kultus, aber auch als Tröster für Mühsal und Plage und - gebrannt - als Desinfektionsmittel und Narkotikum für die Medizin. Was sich aber in den Fässern fand, glich oft saurem Essig statt mundigem Wein. Denn den aus dem Süden stammenden Reben fehlte die Wärme, und die Mönche waren bemüht, besonders früh reifende Sorten zu züchten. Wurden Reben jedoch an eine schützende Weinbergmauer oder Hauswand gesetzt, bekamen sie Wärme, reiften besser und wurden süßer und immer süßer! Klar, dass sich aus solchen Früchten (oder aus dem, was Kinder und Naschkatzen übrig ließen) alkoholreicher Wein keltern ließ. Gebäudebegrünung wurde somit unter recht praktischen Gesichtspunkten betrieben..... Und lange vor den heute in der Fassadenbegrünung üblichen Systemen mit Drahtseil wurde auch schon im Barock Spalierobst an Drähten gezogen - sie waren belastbarer als textile Schnüre. So entstand die Bezeichnung "Schnurbaum" für Wandobst. Der Rankdraht aus Kupfer wurde damals in mit Wasserkraft betriebenen Drahtschmieden gefertigt. So hatte in vielen Regionen Deutschlands jedes Gehöft seine Spaliere, meist mit Reben bepflanzt, bis es ab 1850 mit dem Weinbau bergab ging wegen Reblaus und Pilzkrankheiten und er sich auf wenige, klimatisch begünstigte Gebiete zurückzog.
Mit der Romantik und ihrer Burgen-Verehrung bekam auch die Fassadenbegrünung großen Aufwind. Efeubewachsene, uralt wirkende Wände waren der Knüller schlechthin! Und von Amerika kamen neue Kletterpflanzen, die die Gestaltungspalette erweiterten, allen voran der selbst klimmende Wilde Wein mit seiner roten Herbstfärbung. Mit der Gartenstadtbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte Fassadenbegrünung mit und ohne Rankhilfen dann einen Boom, der jedoch verebbte, als sich heraus stellte, dass Kletterpflanzen auch Pflege und Rückschnitt brauchen. Genau so war es mit den in Mode gekommenen Obstspalieren für Birnen, Weinreben usw.: Ohne ständige Pflege war hier kein Preis zu gewinnen. Viele verheißungsvolle Projekte schliefen ein, weil die Haus-Erben nichts vom Schnitt verstanden oder keine Lust hatten, sich wegen ein paar Früchten ständig um die Begrünung zu kümmern. Inzwischen gab es zu jeder Jahreszeit alles zu kaufen, so dass keine Notwendigkeit mehr für solchen Aufwand bestand. Spalierobst blieb deshalb ein Thema für Enthusiasten.
Einen festen Platz in der Fassadenbegrünung aber haben sich die Zierspaliere wegen ihrer Vorteile erobert. Kletterrosen und Clematis an Rankhilfen sind nicht mehr wegzudenken und werden immer beliebter! Hier sind vor allem neue, robuste Sorten gefragt, um diesen Boom nicht wieder - wie schon einmal zum 1. Weltkrieg hin - zum Erliegen zu bringen. Zudem entstand die ökologisch motivierte Fassadenbegrünung, aber auch sie musste Rückschläge erleiden. Billige Begrünungen sollten Riesen-Effekte für das Mikroklima der Städte bringen: "Pflanz´ einen Wilden Wein ohne teure Rankhilfe an Dein Haus - und alles wird gut!", so lauteten die Appelle. Was aber, wenn die niedliche Begrünung sich dann zur grünen Krake entwickelt, mit ihren lichtscheuen Trieben in Dachkästen, Ritzen und Spalten dringt und dort die Substanz beschädigt? Welcher Hausbesitzer ist bereit, alljährlich Schnittarbeiten im 4. Geschoss seines Hauses von einer Spezialfirma ausführen (und bezahlen...) zu lassen?
Moderne Fassadenbegrünung schaut deshalb vor allem auf die sinnlichen Aspekte: Wie kann ich mein Haus mit Grün, mit Blüten und Früchten verschönern, ohne dass es zugewachsen und beschädigt wird? Auf den Seiten von FassadenGrün finden Sie Beispiele für solche Begrünungen.....
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Legende von den Riesen-Trauben, Relief an einer Hauswand
Weinreben am Spalier - historische Darstellung, ca. 16./17. Jh., aus Weinmuseum Neuenburg / Freyburg
Blühender Spalierbaum (Spalierobst), historische Aufnahme
Ernte am Rebenspalier, nach Oscar Pletsch, ca. 1870
Hausreben (Poster)
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