Hohe begrünte Wände wirken noch stärker als ein kleines Wandspalier. Präzise Entwurfsplanung, stabile Abstandhalter aus Edelstahl und kontinuierliche Pflege sind hier besonders wichtig, weil Leitbild und Wirklichkeit sonst auseinander klaffen. Im folgenden werden Motive für hohe Begrünungen beleuchtet.
Hohe Begrünungen lassen sich ohne oder auch mit Rankhilfen erstellen. Im ersten Fall geht es darum, mit wenig Aufwand einen großen Effekt zu erzielen. Folgerichtig werden dann "Selbstklimmer" wie Efeu und Wilder Wein gesetzt.
Um Bauschäden zu vermeiden, greifen viele Bauherren jedoch zu Kletterpflanzen, die mittels Rankhilfen und Abstandhalter - bei FassadenGrün aus Edelstahl - "gezähmt" werden. Ob Zähmung und Formierung dann wirklich stattfinden, hängt wiederum von der Pflege ab.
Die Entscheidung für oder gegen Rankhilfen wird auch von den Motiven bestimmt, die hinter einem Vorhaben stehen:
Einige Städte fordern bei Um- und Ausbau in dicht bebauten Gebieten Begrünungen nach Quadratmeter-Schlüsseln, dabei wird auf eine Bewahrung oder Verbesserung des Mikroklimas abgezielt.
Allzu oft wird die Forderung als lästig empfunden und dann nur halbherzig erfüllt. Ein Kollege aus der Begrünungs-Branche berichtete, dass ein großes und zunächst nur beauftragtes, also noch nicht durchgeführtes Begrünungs-Projekt am Tag nach der Abnahme des gesamten Neubaus durch das städtische Bauamt plötzlich vom Auftraggeber storniert wurde, weil die Beamten "vergessen" hatten, nach der vereinbarten Begrünung zu sehen, jedoch per Unterschrift die behördliche Abnahme bestätigten und die Begrünung nun - ein Glücksfall für den Geldbeutel des Bauherren - "entbehrlich" war....
Wirklich überzeugend sind ökologisch motivierte Begrünungen dann, wenn nicht anonyme Forderungen, sondern Bauherren dahinter stehen, die ihre Begrünung dann mit Leidenschaft pflegen (lassen).
Es liegt auf der Hand, dass mit den geschilderten Auflagen auch schlechte Projekte befördert werden, welche die Mindestforderungen bezüglich Rankhilfen und Abstandhalter, Pflegezyklen sowie Absicherung gegen Bauschäden nicht erfüllen.
Auf der anderen Seite gibt es zukunftsweisende Projekte, wo Planer und Bauherren hohe Begrünungen mit Seilen und Abstandshaltern effektvoll einsetzen. Die Versuchung, im Entwurf mit solch "grünen" Fassaden zu spielen, lässt sich mit gut ausleben, wenn die Bauherren über die Folgekosten (Pflege) informiert sind.
Positiv zu erwähnen sind auch die vielen Eigentümer- und Mietergemeinschaften, die geschoss-übergreifende Begrünungen an Balkonen planen, aufbauen und gemeinsam pflegen.





Auch an gewerblichen Objekten wie Lagerhallen, Werkhallen usw. können hohe Begrünungen auflockernd sein, gerade bei großen, strukturarmen Fassaden. Mitunter haben aber gerade bei solchen Vorhaben die Nutzer besonders wenig Interesse an Begrünung und Pflege, so dass ggf. eine Reihe davor gepflanzter Säulengehölze sinnvoller gewesen wäre.
Hohe Begrünungen wurden auch oft ausgeführt, um Wandflächen von Wohnbauten zu "verschönern". So wurden Vermietungsquoten gesichert und in Plattenbau-Gebieten die Verödung oder Ghettobildung eingeschränkt. Allerdings zeichnet sich auf diesem Sektor ein Ende ab: Verbesserungen am Wohnumfeld in besagten Vierteln erfolgen heute vorrangig durch "Rückbau", also durch Abriss von Gebäuden.
Hinzu kommt, dass solcherart geplante Begrünungen aufgrund von Geldmangel besonders stark unter Vernachlässigung leiden. Mitunter wurden sogar Begrünungen gerodet, und die Rankhilfen hängen bis zur Entfernung verwaist an den Fassaden.
Ein weitere Fakt, der bei solchen Begrünungen auftritt, ist die Gefährdung durch mutwillige Beschädigung.




Neben den üblichen Lasten durch Seil-Vorspannung, Pflanzengewicht usw. sind ab 8 m Höhe nochmals besondere Wind"lasten" zu berücksichtigen, gerade an Gebäudeecken. Statt Kunststoffdübeln sind hier z. B. Verklebungen oder metrische Dübel für die Edelstahl-Abstandhalter anzuwenden. Besonders gefährdet sind wiederum starkwüchsige Pflanzen mit mächtigen Laubwalzen, die nicht regelmäßig beschnitten wurden und nun dem Wind Angriffsfläche bieten.
Mit Vandalismus wie oben beschrieben ist vor allem zu rechnen, wenn Begrünungen in Problemvierteln oder schwer kontrollierbaren Bereichen liegen. Deshalb empfiehlt FassadenGrün dort vorrangig Edelstahlseile mit 4 mm Stärke und kräftigen Abstandhaltern. Zudem ist einer möglichen Tritt- und Anhängebelastung (Leitereffekt) vorzubeugen, indem waagerechte Drahtseile oder sonstige Spalierelemente erst ab einer Höhe von ca. 1,80 oder besser 2,50 Metern gesetzt werden wie beim Seilsystem 4030 beschrieben. Ggf. sind die (Solitär-) Pflanzen dann mit kräftigen Bambusstäben "anzuleiten".
Hohe Rankhilfen aus Metall sind ggf. an die Blitzschutzanlage eines Hauses anzuschließen, falls eine solche existiert und erforderlich ist. Dies ist umso mehr der Fall, wenn die Rankhilfen
- sehr wuchtig und massig sind
- bis in Dachhöhe ragen
- sich an einem Gebäude befinden, das andere überragt, sonstwie für Blitzeinschlag exponiert ist oder aus brennbarem Material wie Holz besteht.
Für die grazilen Rankhilfen von FassadenGrün dürfte - wie auch bei Markisen, Sonnensegeln, Briefkästen, Auslegern, Hinweisschildern und Sims-Abdeckungen aus Blech - ein Blitzableiter meist unnötig sein. Im Zweifelsfall fragen Sie bitte einen Gutachter oder Fachplaner.
Ganz allgemein empfiehlt FassadenGrün, Rankhilfen nur bis ca. 5 Meter Höhe auszuführen. Hier lassen sich sowohl die Montage als auch die spätere Pflege (Schnitt, Ernte usw.) ohne halsbrecherische Mühe mittels Anlegeleiter bewältigen. Und gerade beliebte Pflanzen wie Reben und Kletterrosen erfordern ständige Erreichbarkeit.
Auch das artbedingt mehr oder weniger verbreitete Verkahlen der unteren Bereiche ist bei einer Gesamthöhe bis 5 Meter noch beherrschbar.
Begrünungen mit mehr als 5 m Höhe sind oft nur mit Hubbühne zu erstellen. Zugleich ist mit Folgekosten bei der Pflege zu rechnen, da hier wiederum Technik erforderlich ist. Eine Ausnahme sind Begrünungen z. B. an Balkonsäulen, die etagenweise durch die Bewohner beschnitten werden.
Begrünungen, die nicht gepflegt werden, verwahrlosen oft zu Gestrüppwalzen mit viel trockenem Totholz und werden dadurch in der Nähe von Fenstern zu gefährlichen "Brandlasten". Im Falle überfrierende Nässe entstehen an solchen Geäst-Walzen und -Säulen dann auch Flächengewichte, welche die Standsicherheit gefährden.





Die Pflegeproblematik betrifft ganz besonders die Starkschlinger wie Blauregen, Knöterich und Baumwürger an Rankhilfen. Im Zweifelsfall sollte auf diese Pflanzen verzichtet werden. Bei Selbstklimmern ohne Rankhilfe wiederum sind in großen Höhen Bauschäden zu befürchten, die ggf. wieder vorbeugend einzudämmen sind.
Aber welche Kletterpflanzen sind dann pflegeleichter und von daher besser geeignet? Das wären vor allem: Einjährige, Hopfen, Akebia, Pfeifenwinde und Wilder Rankwein.
Private "Häuslebauer" sind gut beraten, im Zweifelsfall auf hohe Begrünungen zu verzichten. Sind jedoch fachgerechte Planung, Statikberechnung und alle Folgekosten gesichert, steht einer beeindruckenden Hochbegrünung nichts im Wege!


