Wann sind Spannseile - also straff montierte Stahlseile - als Rankhilfe sinnvoll? Wie wichtig ist der Wandabstand, welche Seil-Anordnung ist wann geeignet, und welche "Bauweise" ist zu empfehlen? Ist ein fertiger Bausatz besser oder eine eigene Zusammenstellung, ist jeder Untergrund geeignet? Hier finden Sie Antwort auf diese Fragen, neben weiteren Tipps zur Auswahl einer Rankhilfe in Seilspanntechnik aus Edelstahl.
Je nach Wuchstyp der Pflanzen können Spannseile verschieden wirken: Anfangs dienen sie oft als Rankseile für empor "rankende" Triebe oder auch als Andrückseil für strauchartig wachsende Pflanzen - dort werden die Triebe hinter die Seile gesteckt. Dann gibt es Schlingseile für Pflanzen, die ihren Stammtrieb direkt um das Seil wickeln. Ein dauerhaftes Um"ringeln" der Seile ist aber nur bei leichten und mittelstarken Schlingpflanzen zulässig, bei Starkschlingern hingegen (s. Foto) sind die Haupttriebe parallel zu führen wie für Blauregen beschrieben.
Bei mehrjährigen Kletterpflanzen wird ein Stammgerüst aufgebaut, und zwar außen auf den Spannseilen, nicht dahinter! Das gilt natürlich nur für das kräftige Altholz, nicht für neue, grüne Triebe, die wieder durch Rückschnitt entfernt werden - sie lassen sich auch hinter die Seile stecken. Die Drahtseile müssen dann vor allem gute Halteseile sein und das außen aufgebaute Astgerüst mithilfe von Bindematerial halten, verankern und hinterlüften.
Große Flächen mit Efeu und Wildem Wein wiederum brauchen oft einige Waagerecht-Seile als Absturzsicherung.
Die Rankhilfe soll den Pflanzen beim Emporwachsen helfen und ihnen ausreichend Wandabstand bieten. Dies wird jedoch oft überbewertet und führt zu "martialischer" Seilspanntechnik. Warum? Was in der Anwuchsphase wichtig ist, spielt später nur eine geringe Rolle, denn bei älteren Pflanzen verhakeln die Triebe sich stark untereinander und sind kaum noch auf eine "Hilfe zum Ranken" angewiesen. Auch einen optimalen Wandabstand schaffen Triebe und Blätter sich hernach selbst, indem sie frei in den Raum vor der Wand wachsen. Spannseile müssen dann vor allem gute Halteseile sein, das einmal aufgebaute Astgerüst verankern und hinterlüften - und dafür genügen oft mittlere Bausätze (5 cm Wandabstand). Mehr dazu finden Sie bei den einzelnen Kletterpflanzen.
Rankflächen, die "grün" werden sollen, sind zunächst immer als Brutto-Felder anzusehen. Sie sollten überall noch Mindestabstände von 25 - 40 cm zu Hausecken, Fenstern, Türen usw. bleiben. Die Rankhilfen wiederum befinden sich dann innerhalb der "grünen Bereiche" als Netto-Felder, also nochmals schmaler und kleiner als die Brutto-Felder. Bei Systemen mit mehreren parallelen Spannseilen werden die Stränge oft schmal, also mit eher geringem Abstand untereinander angeordnet, damit sie "gefällig" wirken.
Wie groß jedoch soll der Unterschied zwischen dem "Brutto-Grünfeld" und der "Netto-Rankhilfe" sein? Es gibt Pflanzen, die mit ihrer Üppigkeit im Sommer jedes Spalier überdecken oder solche, die als grazile Schlinger den Linien der Rankhilfe folgen und mit ihr ein zierliches Flechtwerk bilden. Zu den letzteren zählen Clematis-Hybriden, Einjährige, schwache Kletterrosen usw., hier wird der Unterschied zwischen Brutto und Netto weniger groß sein als bei stark wüchsigen Pflanzen, die weit über den vorgegebenen Netto-Rahmen der Rankhilfe wachsen. Bei Starkschlingern, wo dies speziell angegeben ist, müssen Rankhilfen sogar bis zu 2 m von Traufe, Fallrohren usw. entfernt sein. Meist werden die idealen Abmessungen der Grünfelder dann im Sommer durch Schnitt hergestellt und ggf. mehrfach wieder eingegrenzt.
Begrünungen - vor allem im privaten Bereich - sollten niedriger als 5 m sein. Dies ist erfahrungsgemäß die Schwelle, bis zu der Pflege und Schnitt noch mittels Anlegeleiter zu bewältigen sind. Hochbegrünungen sind mit Risiken behaftet. Wenn das Brutto-Grünfeld also bis maximal 5 m Höhe reichen soll, muss die Rankhilfe entsprechend niedriger enden, je nach Kletterpflanze s. oben.
Werden Pflanzen um Gebäudeecken geführt, sind 2 separate Rankhilfen anzuordnen, auf jeder Wand eine. Der Zwischenraum wird mit den Trieben überbrückt - selbst dickere Stämme lassen sich so um die Ecke führen.
Manche Pflanzen wie Blauregen werden oft überhaupt an nur einem Strang geführt, weil das Schnitt und Pflege erleichtert. Bei den meisten anderen jedoch sind flächige Strukturen sinnvoller. Dabei taucht eine gestalterische Frage auf: Sollen die Spannseile einzeln, als parallele Linien angeordnet werden oder ist eine gitterförmige "Vernetzung" besser? Aus architektonischen Gründen ist es mitunter erforderlich, einzelne Seil-Stränge parallel anzuordnen, also ohne Quer-Verbindungen. Das gilt für waagrechte und senkrechte Linien gleichermaßen. Eine solche Rankhilfe wirkt schlanker, gefälliger und kann ggf. mit ihren Linien die Formensprache des Gebäudes besser unterstützen. Für die Pflanzen jedoch bieten gitterförmige Strukturen mehr "Griff" und sind deshalb zu bevorzugen. Bei den Seilsystemen finden Sie beide Möglichkeiten.
Im Idealfall wissen Sie bereits, was an Ihrer Fassade wachsen soll, gehen dann zu der gewählten "Kletterpflanze" und finden dort in der Übersicht eine für Ihre Situation passende Anordnung, ein so genanntes "System". Im nächsten Schritt ist dann noch die Bauweise festzulegen.
Sollte wegen Zeitmangel - z. B. vor Abbau eines Fassaden-Gerüstes - die Auswahl einer passenden Pflanze nicht möglich sein, gibt es einige universell nutzbare Systeme wie 1030, 4030, 5030, 5040, 7020, 7050 oder 8010. Diese sind dann - bis auf Starkschlinger wie Blauregen - variabel bepflanzbar.
Spannseiltechnik von FassadenGrün gibt es in fünf verschiedenen Ausführungen bzw. "Bauweisen": einfach, leicht, mittel, schwer und massiv. Fast alle Seilsysteme sind also in 5 Arten darstellbar, und diese unterscheiden sich bezüglich Design, Wandabstand, Belastbarkeit und Preis. Hinweise für die passende Bauweise wiederum finden Sie bei der ausgewählten Kletterpflanze.
Viele Anwendungsfälle lassen sich bei FassadenGrün durch den Kauf konfektionierter Bausätze lösen, etwa preisgleich gegenüber einer Zusammenstellung aus Einzelteilen. Solche Spannseil-Garnituren sind für alle Wandtypen geeignet, nicht jedoch für Dämmung, Verkleidung und dünnwandige Betonelemente, Alternativen können Sie jeweils dort zusammen stellen (lassen). Sehr große Begrünungsfelder lassen sich ggf. auch in mehrere, nebeneinander gruppierte Rankfelder teilen. Das erleichtert die Verwendung der standardisierten Seilsysteme.
Notfalls können Sie Grundformen auch modifizieren und vergrößern, indem Sie zusätzlich Einzelteile bestellen oder FassadenGrün mitteilen, dass Ihr System so und so viel größer / breiter sein soll. Ist auch dies kein Weg, sehen Sie in der Übersicht bei der Kletterpflanze zumindest, welche Anordnung jeweils bevorzugt wird, ob es eher dichte oder spartanische, waagerechte oder senkrechte Formen sind. Mit diesem Wissen können Sie dann im Bereich "Seiltechnik" eigene Garnituren zusammen stellen. Die Halter untereinander sollten dann etwa jenen Abstand haben wie bei einem vergleichbaren Seilsystem.





