Wuchstyp "Selbstklimmer"

"Selbstklimmer" sind Kletterpflanzen, die vom Wuchstyp her in der Lage sind, Wände ohne Ranksystem zu erklimmen. Sie werden z. B. als preiswerter Graffitischutz benutzt. Wir als Hersteller von Rankhilfen können solche Begrünungen gar nicht empfehlen und müssen leider, aus wirtschaftlichen Gründen, davon abraten... Aber Spaß beiseite, natürlich möchten wir über Selbstklimmer informieren. Und letztlich kommen auch sie meist nicht ohne Rankhilfe aus - vor allem bei der Sicherung des aufgebauten Stammgerüstes - und deshalb verweisen wir gern auf diese Arten. Auch um sie "in Form" zu bringen sind Ranhilfen oft unentbehrlich.

Arten

Selbstklimmer klettern meist mit Haftwurzeln oder Haftfüßen / Haftscheiben, das Haftvermögen kann art- und oberflächenbedingt sehr verschieden sein. Der wohl bekannteste Selbstklimmer ist Efeu, er ist sogar immergrün. Dicht danach folgen Wilder Wein, dann Wilder Mauerwein und Kletterhortensie, alle drei mit schöner Herbstfärbung. Weniger bekannt in Mitteldeutschland sind die Klettertrompete, die eher schwach wüchsige Kletterspindel und die einjährige Glockenrebe. In der Startphase haftet am besten der Wilde Wein.

Fassadengestaltung mit Selbstklimmern

Selbstklimmer entwickeln zunächst eine irrationale Linienführung. Für Umweltfreunde kann das beseeligend, für Planer aber verstörend sein, zumal der Wandbewuchs meist unweigerlich in eine Vollbegrünung mit "grünem Pelz" mündet. Je nach Pflanzenart, Fassadengröße und Bepflanzungsdichte wird dieser Zustand nach 5 - 20 Jahren erreicht. Dachflächen und -entwässerung sind freizuhalten, sonst drohen Bauschäden.

Über Wuchsbegrenzung lässt sich jedoch gestalterisch eingreifen und auf eine Teilbegrünung hinarbeiten. So entsteht eine wirkliche Fassadengestaltung mit spannenden Kontrasten! Die nicht begrünten Bereiche können dabei klar und geometrisch abgetrennt sein oder in ihrer Begrenzung auch amorph und zufällig aussehen. Die beste Wuchsbremse ist regelmäßiger Schnitt, aber auch Gesimse und vertikale Wandversprünge können als Begrenzung wirken.

Andrücken, Einflechten und Absturzsicherung

Selbstklimmer brauchen in der Aufbauphase meist gar keine "Rankhilfen", eine Andrück- oder Einflechthilfe kann aber sinnvoll sein. Als erste Starthilfe eignen sich Fixierpunkte aus Bienenwachs-Knete (z. B. Firma "Stockmar"). Die Haftorgane werden meist nur einmal während des Wachstums eines jungen Triebes ausgebildet und reißen bei späterem Dickenwachstum ggf. ab, so dass die ganze Pflanze dann nur an den jungen Trieben mit der Wand verbunden ist. Auch Sturm kann später zum mattenartigem Ablösen des Wandbewuchses führen, auch hier können Seile vorbeugen... Jedes Pflanzen-Porträit, das sie oben anklicken können, besitzt eine Übersicht, in welcher die mehr oder weniger gut geeigneten Seilsysteme farbig markiert sind.

"Geeignete" Seilsysteme

Für die Startphase, als Andrückhilfe, sind Seilsysteme mit mittleren bis großen "Maschen", also ca. 1 m x 1 m geeignet. Als Absturzsicherung wiederum genügen einzelne Quer- oder Senkrechtseile, die oft auch erst nachträglich angebracht werden. Optimal sind Seilsysteme der 8000-er und 9000-er Reihe, die beide Funktionen abdecken. Oft genügt eine "einfache" Bauweise, bei großen Feldern besser eine "mittlere" oder sogar "schwere".

"Bedingt geeignete" Seilsysteme

Nur "bedingt geeignet" sind Seilsysteme, die eher "dichtmaschig" und damit preisintensiv sind. Sie dienen mitunter als Einflechthilfe z. B. bei Carports oder aber, wenn Selbstklimmer nicht an der Wand haften wollen.

"Ungeeignete" Seilsysteme

"Nicht geeignet" sind oft Anordnungen mit nur geringen Seillängen. Sie werden dann dem Wuchsverhalten nicht gerecht, außer vielleicht bei Kübelpflanzen. Auch allzu eng angeordnete, "dichtmaschige" Seilsysteme sind nicht nötig, da zu preisintensiv.

Winterbild und Entfernungs-Spuren

Bei der Auswahl passender Pflanzen spielt auch das Erscheinungsbild im Winter eine Rolle. "Winter" - das sind hier 5 - 6 Monate und damit fast die Hälfte des Jahres! Nach dem Laubfall werden dann Äste, Zweige und Haftorgane der Klettergehölze sichtbar, aber anders als bei am Spalier geführten Pflanzen ist dieses Bild nicht immer eine Bereicherung für die Fassade. Des weiteren hinterlassen die Haftorgane Spuren an der Wand, wenn der Fassadenbewuchs beschnitten oder entfernt wird. Einzelheiten finden Sie beim Anklicken der oben beschriebenen Kletterpflanzen.

Haftfüße und Haftwurzeln
Haftfüße (Wilder Mauerwein) und Haftwurzeln (Efeu)
Mit Wildem Wein begrünter Innenhof in Stralsund / Mecklenburg-Vorpommern
Wilder Wein P. tricuspidata
Efeu klettert nicht
Seilsystem (mittlere Bauweise) als Einflechthilfe für Efeu
Fehlplanung Rankelement an Fassade
Fehlplanung: Diese Seile werden als "Rank"hilfe nicht gebraucht. Als Absturz-Sicherung wiederum sind sie zu dicht angeordnet und damit zu teuer. Der Wilde Wein wächst in einem Pflanzkübel und ist auch gestalterisch eine schlechte Lösung. Eine Schlingpflanze wäre besser gewesen.
Reste von Haftfüßchen bei Wildem Wein
Reste von Haftfüßchen nach dem Schneiden und teilweisen Entfernen eines Wilden Weines
Jungfernrebe als selbstklimmende Kletterpflanze in Halle / Sachsen-Anhalt
Jungfernrebe P. quinqefolia als Selbstklimmer
Kletterhortensie
Kletterhortensie Hydrangea
Glockenrebe Cobaea
Einjährige Glockenrebe Cobaea
Fassadengestaltung mit Parthenocissus tricuspidata
Kontrastreiche und "zufällig" wirkende Fassadengestaltung mit Wildem Wein P. tricuspidata
Selbstklimmer (Hydrangea petiolaris) als Wandbewuchs, mit Herbstfärbung, Naumburg / Sachsen-Anhalt
Geführte und formierte Kletterhortensie als Wandbewuchs, mit voller Herbstfärbung
Rankfelder für Wilden Wein, Einkaufsmarkt in Leipzig-Liebertwolkwitz / Sachsen
Geometrisch begrenzte Rankfelder für Wilden Wein P. tricuspidata, senkrechte Wandversprünge
Wandbegrünung mit Parthenocissus tricuspidata in Potsdam / Brandenburg
Streng beschnittene Wandbegrünung mit Wildem Wein Parthenocissus tricuspidata